Es gibt tausend Gründe alles beim Alten zu belassen und
doch nur einen, wirklich etwas zu verändern:
du hältst es einfach nicht mehr aus!
Vor einigen Monaten saß ich gemütlich mit einem guten Freund zusammen und wir plauderten unbeschwert über Gott und die Welt in
den Feierabend hinein. Er schweifte in seinen Gedanken weit aus und sinnierte gerade darüber, dass es doch nicht das Ziel sein konnte, 3 – 4 mal im Jahr den Partner zu wechseln – was ohne Frage
über einen gewissen Zeitraum auch mal ganz lustig sein kann, hilfreich vor Allem bei der Positionierung der eigenen Werte und unkompliziert, da unverbindlich. Aber wofür tut man, was man tut,
wenn da doch niemand ist, den es interessiert, was man zu berichten hat, wenn man nach Hause kommt? Sollte das Ziel nicht darin bestehen, jemanden an seiner Seite zu wissen, dem man vertraut und
der die Dinge, die einem etwas bedeuten, genauso gern hat, wie man selbst? Einen Partner eben, mit dem man das Leben teilen möchte, ohne dass man sich verstellen, aufgeben oder entschuldigen, gar
erklären muss – einen Partner für´s Leben eben! Gibt es das noch?
Ich hing noch seinen Ausführungen nach, als er plötzlich den Ball an mich abspielte: „Was sind deine Ziele, Martha?“ Seine Frage traf mich, als hätte mich jemand beim Klauen erwischt. Ich sah ihn
an und musste vor Verlegenheit lachen. „Keine Ahnung, was genau meinst du damit?“, versuchte ich mich zu retten. Er lehnte sich zurück und sein Blick durchbohrte mich wie ein Pfeil. Ich fühlte
mich wie an einen Marterphahl gebunden und die Krieger tanzten lüstern um mich herum. 'Ziele!' hämmerte es in meinem Hirn. Und auf einmal begannen Sturzbäche von einzelnen, keinen Sinn ergebenden
Gedanken in einem riesigen Wasserfall zu münden, so als hätten sie alle nur auf dieses eine Signal gewartet, um gleichzeitig ihre Schutzdämme zu durchbrechen und diesen einen klaren Gedanken vor
mir auszubreiten: '...Martha! - Wo sind die Dinge geblieben, für die du früher alles gegeben hättest? Wo sind DEINE Ziele Martha - du musst doch wissen, was du willst!'
„Oh, nicht gleich so viele“, stichelte Nick weiter und lächelte siegessicher, als hätte er beim Schach
'Matt' gesagt. „Nun“, begann ich, noch immer um Fassung bemüht. „Ich denke, ganz so einfach ist
das nicht.“
„Nur zu“, bat er. „Ich habe Zeit!“
Er wippte erwartungsvoll in seinem Stuhl und es kam mir
vor, als wirbelten wir irgendwo durch einen Zeittunnel. Alles erschien mir plötzlich so klar, aber es fehlte die Zeit, die Gedanken so zu sortieren, um in der Kürze einen roten Faden daraus zu
weben. Es gab so vieles, das mir gerade in diesem Augenblick dazu einfiel, aber ich entschied mich kurzerhand für einen anderen Ansatz, während es im Hinterkopf weiter arbeitete.
„Oh, ich bin sicher, dass ich mehrere Ziele habe“, eröffnete ich mein Plädoyer. „Aber natürlich ist
eines Primär und dem ordnen sich alle anderen unter, vor Allem Persönliche. Das ist so, wenn man Mutter ist. Denn mein Hauptziel besteht natürlich darin, meiner Tochter und mir ein relativ
schönes Leben zu bieten und ihr die Unbeschwertheit der Jugend dabei dennoch zu erhalten. Das heißt nicht, dass ich ihr suggerieren möchte, dass alles, was sie will und gerne hätte, sofort zu
ihrem Wohlgefallen erfüllbar ist und ich versuche auch nicht, ihr eine heile Welt vorzuspielen. Probleme gehören zum Leben dazu, genauso, wie das Lachen und es gibt immer Beides. “
Ich
holte tief Luft und sah ihn an. „Ich denke, dass du weißt, was ich meine und um es als Ziel zu formulieren, das sich für mich dahinter verbürgt: Mein Ziel besteht darin, ihr die Welt so zu
präsentieren, dass ich sie eines Tages ruhigen Gewissens ziehen lassen kann und immer weiß, dass sie ihren Weg finden wird. Ich möchte ihr nicht vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen hat,
mal von den gesellschaftlichen Umgangsformen abgesehen. Mein Job ist es, sie 'auszubilden', ihre Interessen zu wecken und quasi die Basis zu sichern – ihr Job besteht darin, ihren Intellekt
einzusetzen und das, was sie sieht und gelernt hat, zu verknüpfen und in Fähigkeiten umzusetzen. Aber ob Sie Anwalt wird oder Journalist, ob sie Mode machen will oder lieber Biochemie – ganz
ehrlich: ich wünsche ihr – und dafür bin ich bereit alles zu geben - , dass sie das tun darf, was sie tun möchte, denn dann wird sie gut darin sein und glücklich werden. Ohne Spaß aber – und ich
glaube, hier sind wir uns einig - geht gar nichts. Aber nimm mich: was soll ich ihr von Ausbildung erzählen? Ich ging zunächst ins Hotel, dann in die Industrie und heute schlage ich mich mit der
Planung und Betreuung von verschiedenen Projekten durch. Es ist doch nicht wichtig, WAS sie wird, nur DASS sie es wird und dann daraus etwas macht. Wie heißt es so schön: 'Wenn du etwas anderes
willst, musst du etwas anderes tun.' Aber ich schweife schon wieder ab!... “
Nachdenklich fiel nun auch ich in meinem Lehnstuhl zurück. Für einen Moment sahen wir uns an. „Das macht nichts!“, raunte er und dann wurde es mucksmäuschenstill. Ich hatte kein Gefühl dafür, was
in Nicks Kopf vor sich ging. Auch in Meinem spazierten ja Gedanken parallel zu denen unseres Gespräches und zwar solche, von denen er im Moment nichts ahnte. Die Situation amüsierte mich. Zwei
Menschen saßen in einem Raum, unterhielten sich über das Leben und jeder empfand, dass es ein gutes Gespräch war. Und nun saßen beide da und hingen unterschiedlichen Gedanken nach und doch hatte
ihr Gespräch eine Wurzel: Sie waren auf der Suche nach neuen Zielen!
Eines Tages glaubte ich, eine Partnerschaft würde meinem Leben mehr Sinn geben als beruflicher Erfolg. Meine Denunzianten hatten mich gewissermaßen in die Knie gezwungen, wenngleich sie es nicht
schafften, meinen Stolz zu brechen. „Ach Martha, sie können so schön nett sein, wenn sie wollen. Sie
sollten einfach mal öfter einen Rat annehmen, wenn Sie weiter kommen wollen im Leben...“
Ich fühlte mich mit einem Makel behaftet, dass ich die Charaktereigenschaft besaß, mein Leben zu akzeptieren. Ich hatte keine Ahnung, dass ich genau mit jener offenkundigen Pose,
meine Neider erst richtig auf den Plan rief. In meiner Sehnsucht nach Liebe und Halt bot sich die Lücke zum Angriff jener Schwächlinge, die andere brechen müssen, um damit von ihren eigenen
Unzulänglichkeiten abzulenken. Es war doch auch viel interessanter, sich über die Ängste eines Siegers zu unterhalten, als die hundertundeinste Panne eines Versagers zu hören.
Aber das Alles wusste ich nicht. Ich hatte kein Gefühl, auf welcher Seite ich stand: War ich Akteur oder Zuschauer? Was gab es in meinem Leben, dass man hätte beneiden können - mal abgesehen
davon, dass ich das, was ich tat, gerne tat – aber es war anstrengend, wahnsinnig anstrengend. Das Einzige was mich durchhalten ließ, war der Glaube an die Zukunft und der Halt durch Freunde. Ein
wenig virtuell, aber ich wusste auch, dass es alles nur noch schlimmer wird, wenn ich mir selbst untreu werde. Hin und wieder, wenn sie es zu sehr trieben oder mich die
Ungerechtigkeit mir selbst oder anderen gegenüber zu sehr peinigte, gönnte ich mir den Spaß, jene Heuchler mit einem zuckersüßen Lächeln so bloß zu stellen, dass sie sich quasi selber blamierten!
Niemals könnte ich mich ihnen unterordnen, nur, um in ihrer spießigen Welt dazu zugehören und ihren kleinkarierten Mustern zu entsprechen, um weiter zu kommen!? Niemals!
Ich ging lange mit mir ins Gericht, um nach Alternativen zu suchen. Sieben Jahre schon boxte ich nun mich und meine Tochter alleine durchs Leben. Ich war müde. Und so kam mir eine
Idee! Mit einem Mann an meiner Seite, so dachte ich, konnte es doch nur besser werden. Ich könnte mich scheinbar 'geschlagen' geben - mich aus dem aktiven Part zurückziehen - und würde nebenbei
das gleiche, glückliche Leben führen, nur glücklicher und endlich mehr Zeit für mein Kind haben. Ein toller Plan!
Nur ging er nicht auf...
Wer spricht von Schuld?
Ewigkeiten später saß ich nun hier mit der zufälligsten Begegnung diesen Jahres und fand ebenso zufällig auf meinen Lebensweg zurück!! Das war unglaublich!
Es hatte sicherlich viele nachdenkliche Momente in jenem Jahr gegeben, gerade weil es ein sehr lehrreiches, aber leider ebenso erfolgloses Jahr war und viele Menschen deshalb glaubten, ein
bisschen an meiner Person herum schrauben zu dürfen. Das tat weh! Ich wähnte, mir fehle es an Stabilität. Was sicherlich - als Teilziel betrachtet - auch richtig war. Aber im Grunde war es viel
banaler! Ich hatte mich selbst weg gesperrt und es wurde Zeit, dass ich mich begnadigte.
Ich sah in mich hinein wie in einen Fernseher und konnte eins nicht mehr leugnen: Es ist wesentlich leichter, anderen einen Rat zu geben oder Mut zu zusprechen, als über sein eigenes Leben
nachzudenken und sich die Fragen wirklich ehrlich zu beantworten, die man anderen so gerne stellt. Warum nur hat man solche Angst davor, zu erkennen, dass sich die Sichtweisen verschieben und die
Veränderung die einzige Konstante in unserem Leben ist?
Ich sah auf die Uhr und kippte nach vorne zurück. „Wie sieht´s aus“, fragte ich meinen Gegenüber. „Wollen wir noch irgendwo eine Kleinigkeit essen gehen?“
„Ich dachte schon, du willst hier übernachten!“, strahlte er, stand auf und binnen weniger Minuten
schlenderten wir über den Potsdamer Platz. Es war wenige Wochen vor Jahresende und überall säumten weihnachtliche Stände die Gehwege. Die Straßen waren durchzogen vom Duft gebrannter Mandeln und
anderen typischen Gerüchen. Wir tauchten ein in die bunte Menschenlawine und trieben mit ihr, bis wir schließlich beim "Italiener"ausscherten.
Absatz Zwei
Ich genoss Nicks Nähe. Manchmal kam es mir nicht so vor, als ob wir uns erst vor einigen Wochen kennengelernt hatten. Da war eine Verbundenheit, die niemand von uns aussprach, aber
die wir beide gleichermaßen gewährten. Hatten wir zwar bereits geklärt, dass unsere Geburtstage nur einen Tag auseinander lagen, so hatten wir dennoch nie über das Alter gesprochen. Es fiel mir
schwer, ihn zu schätzen. Ich ahnte nur, dass er jünger sein musste - aber wie viele Jahre es tatsächlich sind? Im Grunde war es mir auch egal.
Er führte ein Unternehmen, dessen Struktur dem Meinen glich, das ich im Zuge meiner Trennung von Ramon ins Abseits beförderte und mich fortan erstmal wieder festanstellen ließ,
um die Kosten des Lebensunterhalts sicher kalkulieren zu können. Doch der Wind wehte mich zurück in die Selbständigkeit und so trafen sich im Herbst unsere Wege. Auf Grund der Tatsache aber, dass
ich den Aufbau seiner Herangehensweise verstand, brauchte es keine große Taten, um mich von der Funktionsfähigkeit seines Handelns zu überzeugen. Ja, ich war fast froh, dass es da Dinge gab, wie
Zielvereinbarungen und Abrechnungsmodalitäten, dessen Nutznießer ich zukünftig sein konnte, ohne mir über das Wie Gedanken machen zu müssen. Es genügte mir, dass ich damals, als ich bei der
Gründung meinem Unternehmen ein Aufgabenfeld zugewiesen, einen richtigen Ansatz gewählt hatte und nun nahm ich dies als weiteren Beweis dafür, ruhigen Gewissens meiner Intuition folgen zu
können.
Ich empfand es als eine Fügung des Schicksals, dass wir – Nick und ich - nun hier zusammen saßen und zu Abend aßen, über tausend und einen Gedanken lamentierten, deren Verfolgern der
Nächste entsprang und über deren Brüder und Schwestern die Zeit verrannte...
Als ich dann schließlich weit nach Mitternacht zu Hause war, ließ ich den Tag Revue passieren und erinnerte mich eines Briefes, den ich Ramon mal geschrieben hatte. Ich war zum
ersten Mal in meinem Leben arbeitslos geworden und es war fast auf den Tag genau fünf Jahre her, dass ich ihn geschrieben hatte. Es fiel mir damals schwer, mich mit der Situation abzufinden: alle
Welt hängte Lichterketten auf, während ich auf der Suche nach einem Job war und der besinnlichen Zeit nichts abgewinnen konnte. In mir sträubte sich etwas, dass mich an mir und meinem Können
zweifeln ließ. Ich fühlte mich leer und wahnsinnig nutzlos. Mir war etwas verloren gegangen und ich spürte, dass es fehlte, aber ich konnte nicht sagen, was eigentlich genau.
Heute hatte ich es wieder gefunden: FÜNF lange Jahre später. Noch tanzten die Glückshormone Samba in meinen Venen und ich war viel zu wach, um einschlafen zu können. Also begann ich
zu lesen:
"Was bitte ist eigentlich eigentlich???
...wahrscheinlich ist es genau dieser
Umstand: Das Eigentliche geht quasi in sich selber auf.
Es ist wichtig ein eigentlich zu haben. „War doch eigentlich gar nichts dabei!“ – heißt doch weiter nichts, als dass wir uns einbilden, einer ungeduldeten Tatsache mit diesem einen Wort die
Schärfe zu nehmen; vielmehr noch, wir entkräften es durch eine elegante 180° Wendung.
FEIN! - Und wem ist geholfen???
Ein Hoch auf jene Glücklichen, die es gelernt haben, mit dem Eigentlichen zu leben.
Nur möchte ich nicht so leben. NIEMALS!
Werde ich aber müssen, um zu überleben. Man kann unmöglich ertragen,
immer und immer wieder enttäuscht zu werden. Und so passt man sich an.
Denn eigentlich ist doch alles okay – oder...???
Ein genauso schönes Füllwort wie ‚eigentlich’ ist übrigens ‚vielleicht’. ‚Vielleicht’ vor oder in eine Aussage gepackt, verleugnet doch nur die Angst, die ganze Wahrheit auszusprechen.
„Vielleicht ist es besser so!“, heißt wiederum nichts weiter, als das vollkommen bescheuert ist, was gerade passiert. Und genau das ist es, was mich im Moment hemmt, lähmt, bremst. Ich kann nicht
zu irgendwelchen Höchstformen auflaufen, weil irgendetwas in mir herumstrolcht wie ein Dieb.
Ich bin meinem Peiniger schon ziemlich nah auf den Fersen, doch es hilft nicht, ihn zu verfolgen, ich muss ihn quasi ‚stellen’, auf frischer Tat ertappen. Und so albern es sich anhören mag, genau
davor hab ich Angst. Uns so lebe ich mit ein paar "eigentlich´s" und "vielleicht´s" und je länger ich mich mit dieser Situation arrangiere, um so normaler gehe ich damit um. Nun ist es aber so,
dass ich nicht unbedingt ein Mensch der Tatenlosigkeit bin. Abwarten und Ungewissheit sind für mich der reinste Horrortrip. Also fahnde ich nach Gelegenheiten, mich aus dieser Lage zu
befreien.
Blicke ich jedoch zurück, sehe ich in den letzten Jahren nur Veränderungen. Und was ist das Resultat? Endlose Mühen, viel Kraft, viel Zeit und jede Menge Erfahrungen, auf die ich mir sozusagen
selber eine Referenz erteilen kann. Mein Wesen will es so, dass man mich immer als Stehaufmännchen kennt, als Kämpfer, als jemand, der sich durchschlägt, der immer wieder einen
Ausweg findet; aber so lapidar es klingen mag, mein Akku ist leer und was mir fehlt, ist nicht
die Aussicht, auf ein vielleicht. Wenn ich mich mobilisiere, muss ich die Chance auf einen „Sieg“ haben. Ansonsten kann ich mit meinen Kräften sehr gut haushalten und es sieht nach außen
so aus, als ginge mich alles nur am Rande etwas an. Tief im Innern wehre ich mich aber gegen eine solche Zeitverschwendung. Das Schlimmste aber ist, wenn solchem gleichgültigen Geplänkel eine
Niederlage folgt.
Im Klartext: Allein für den erquickenden Genuss, für nur kurze Zeit mit erhobenem Haupt ganz oben zu stehen, setze ich vor jeder Herausforderung das was ich kann, gepaart mit
dem, von dem ich weiß, dass ich es nicht will, auf eine Karte und kann Kräfte wecken, von denen andere nur ahnen. Bin eben ein Widder!
Ich glaube, dass ich deshalb auch so hervorragend abgammeln kann, wenn es keinen Anlass gibt, den Motor anzuschmeißen, aber genauso gut früh morgens irgendwo den Strahlemann mache, ohne mich zu
verstellen: die „Erfolgsaussicht“ ist hierbei sicherlich eine ganz Sekundäre – der Spaß ist es! Fehlt dieser, tritt automatisch Phase eins in Kraft. Was nicht heißt, dass ich nicht morgens
anwesend bin, aber das Lächeln trügt über die Tatsachen hinweg, das Lachen schläft.
Doch dieses kraftstrotzende, willensstarke Wesen sehnt sich auch nach Anlehnung, Geborgenheit und Schutz. Widder dulden kaum jemand an ihrer Seite, es sei denn, sie sind ihm
ebenbürtig oder durch ihre gegensätzliche Art förderlich – quasi „Schutzpatron und Liebesgott“. Mit seiner stürmischen Art rennt er manche schon mal über den Haufen, holt sich die ein oder andere
Beule und schießt auch gelegentlich über das Ziel hinaus. Er braucht dann jemanden, der ihn an seine Seite lässt, um seine Wunden zu heilen und neue Kräfte zu tanken. Er braucht keine Heuchelei,
aber auch keine Standpauke. Als sensibler Perfektionist findet er so am Besten den Weg zu einem neuen Ziel.
Keine rosige Mitgift für eine Frau, die weder darauf aus war, Star-Emanze noch Karriere-Frau des Jahres zu werden, die sich damit begnügen wollte, glücklich zu sein und dass, indem sie jemandem
zur Seite steht - durch Dick und Dünn.
Bitte entschuldige, aber wie Du weißt, vergnügt es mich, all die Dinge, die mir den Schlaf rauben, in kleine Bilderrätsel zu verpacken. Sie sind wie Schätze: Wer sie entdeckt und behütet, ist
wirklich reich. Es ist die hinreißende Vorstellung eines müden Akteurs, der die Hoffnung nicht aufgibt, dass die bunte Welt, die sich ihm darbietet, auch Platz hat für jemanden, der bei der
Verwirklichung seiner Träume etwas verlor, bevor er es besaß! Ich weiß, dass das jetzt polemisch klingt, aber ein wenig traurige Musik in einer traurigen Szene zu spielen, ist künstlerische
Freiheit und belebt das Stück!
Die Realität legte nämlich eine ganz andere Platte auf. Es präsentierte mir ein Dickicht aus Käuflichkeit und Netzwerken - großes Motto: gehörst du nicht dazu, stehst du außen vor, trittst du
ewig auf der Stelle und egal, wie viele Kräfte du auch mobilisierst - du kommst niemals auf die Überholspur. Es sei denn, du passt dich an! Immer und immer wieder gab ich mich zufrieden mit
kleinen Häppchen, die man mir scheinbar zum Trost hinwarf, immer wieder steckte ich auf, wissend der Tatsache, dass irgendwann meine Zeit kommt. Ja bitte, aber wann denn?!
All die Erfahrungen und Enttäuschungen, all die Scheinheiligkeiten und Heucheleien – Nein! Irgendwann hatte ich genug und zog los, ohne zu wissen, wohin mich mein Weg führen wird. Ich wollte nur eins – ICH sein und nicht länger so, wie irgendwer meinte, dass ich es sein müsste.
Und nun? - Nun stehe ich vor der ernüchternden Tatsache, sehr viel Kraft gelassen zu haben und ich brauche einen ruhenden Pol, der mir Zeit gibt, meine „Beute“ zu bewerten und die Strategie
anzupassen. Verlange nicht, dass ich bin, wie du mich gerne hättest, nur weil es besser ins allgemeine Bild passt. Ich war nie die „Angepasste“ und das hat mir bisher immer wieder zu einem
„Namen“ verholfen. Es mag sein, das manches, das ich tue, nicht herkömmlicher Natur ist, nicht gebräuchlich. Aber das findest du auch an jeder Ecke! Und so wie Du Deine Stärke daher nimmst, dass Du Deine Energien aus Deinem Wesen ziehen
darfst, so lasse mir bitte meine Art, auch wenn sie unterschiedlich zu der Deinen ist, so ist sie doch auf ihre Art genauso erfolgreich.
Mit Picasso: wenn es nur eine Wahrheit gäbe, könnte man nicht soviel unterschiedliche Bilder zu ein und demselben Thema malen.
So sehr ich im Moment noch etwas Zeit zur Regenerierung brauche, um so weniger brauche ich dabei die Korrektur meiner Persönlichkeit. Denn auch du wirst mich nicht mehr
grundlegend ändern. Nur hatte ich in den letzten Wochen etwas mehr Zeit – notgedrungen - über mich und meine Situation nachzudenken. Eine Niederlage wäre ok gewesen, aber dieser Schuss in den
Rücken hat mir mehr zugesetzt, als ich wahrhaben wollte; Plötzlicher Stillstand ohne eigenes Verschulden und das bei dieser wirtschaftlichen Lage. Doch ich konnte nichts tun, außer zuzusehen und
mit Würde das Spielfeld zu räumen. Ich brauche dringend eine Pause, um meinen Frieden mit diesem Erlebnis zu finden, Frieden damit, dass ich nicht in die Zukunft schauen und nur situationsbedingt
handeln konnte, die Kraft, die ich einsetzte, also nicht 'verschwendet', sondern notwendig und die Fähigkeit dazu in meiner Person lag!..."
Ich starrte wie gebannt auf diesen Brief! „Was“, fragte ich mich, „hatte Ramon daran nicht verstanden?“ Wahrscheinlich war es der direkte Hilferuf, der ihm Angst machte. Hilfe -
dieses Wort war er von mir nicht gewöhnt. Doch nun rief ich schon mal – das heißt, der Brief war ja nur die Folge dessen, dass wir nicht darüber reden konnten, ohne das er mich höhnisch
auslachte, ob ich keine anderen Sorgen hätte, als mal ein paar Tage zu Hause zu bleiben. Er verspottete mich in meiner Angst und das machte mich traurig. Immer und immer wieder war ich für ihn da
gewesen, wenn er Trost und Beistand brauchte. Nun brauchte ich Halt, brauchte ich ihn und fühlte mich einsamer denn je.
Doch augenblicklich verfolgte ich diesen Gedanken nicht mehr weiter. Viel wichtiger war, dass ich heute meinen 'Peiniger' gestellt hatte: Mein Unterbewusstsein hatte mir damals zu suggerieren versucht, dass ich
meine Ziele verloren hatte, dass der 'Motor' verreckte, weil die 'Zündkerzen verölt waren.'
Es war so einfach, dass man es schon mal übersehen konnte. Unglaublich!
Gedankenverloren trat ich auf die Terrasse, streckte die Arme weit hinaus in das Dunkle der Nacht und sog die kühle Luft tief in mich hinein. Der Mond war hell wie eine Laterne und tünchte die Umgebung in ein fast mystisches Licht! Die Wolken zogen lautlos an ihm
vorüber. Die Stadt schlief. „Danke“, murmelte ich in die Nacht hinein und spürte, wie alles von mir ab fiel...
Licht und Schatten
Müde kämpft sich das Mondlicht durch den Wolkenschleier.
Wortfetzen verirren sich aus der Ferne und verlieren sich im Dunkel der Nacht.
Dumpf verhallen die Schritte der letzten Passanten…
Die Stadt schläft…
Erinnerungen erwachen als Schatten an der Wand
und schleichen sich schaurig-schön durch die Träume der Ruhenden.
Wenn ein Tag den Stab der Zeit an den Anderen übergibt,
wechseln viele Bilder mit ihnen.
Doch schon bald kündet ein zartes Licht vom unaufhaltsamen Lauf der Zeit.
Der schrille Weckruf einer mutigen Amsel eröffnet das Morgenkonzert.
Die Schatten verkriechen sich wieder geschickt in den Alltagsdingen.
Das Leben erwacht und unmerklich gebärt es neue Kinder der Gespielin der Nacht.
Wo Schatten ist, da ist auch Licht!
„Wende dein Gesicht der Sonne zu,
dann fallen die Schatten hinter Dich …“
(aus China)
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