Samstag, 10. mai 2008
Die Dankbarkeit soll ein der schwersten Tugenden sein;
eine noch schwerere möchte es sein,
den Anspruch auf Dank nicht zu übertreiben!



Wow!
Wie, so frage ich mich, definiert man denn übertriebenen Anspruch auf ein Danke und wer legt diesen Anspruch fest!? Oder geht es in dem Zitat gar nicht um das DANKE, sondern um die egozentrische Bumfiedelei?
"Vielen Dank Frau Meier, dass sie die Post geholt haben!", ist zuviel - sollte sie es erwarten - wenn sie Sekretärin ist. "Vielen Dank Frau Meier, dass sie die Post geholt haben!", ist wohl angemessen - sowohl in der Erwartung als auch im Tun - wenn sie Nachbarin ist und während des Urlaubs nach dem rechten sah.

Liebe Lesefreunde,

ich gebe es gern zu, ich bin urlaubsreif und sicherlich ein bißchen sensibel dieser Tage, aber irgendetwas stimmt nicht mehr, irgendwie ist das Gleichgewicht im zwischenmenschlichen Bereich, das Verständnis füreinander aus den Fugen geraten,

Was ist nur los? Vor einigen Tagen beschäftigte mich diese Frage sehr, denn es ging noch einmal um das Thema: Ehe, Treue, natürlich, der Anlass war der 40te Hochzeitstag meiner Eltern - 40 Jahre, hieß es, das geht heute nicht mehr, naja,ist  eher selten... und ich fragte: Aber wieso?
Bin ich bockig, stur, dumm, wenn ich daran glauben will oder besser Hochachtung davor habe, dass es das noch gibt und meine Ansprüche an eine  Partnerschaft an solchen Dingen messe? Ist es wirklich illusorisch zu glauben, dass ein "gemeinsames Leben" den Alltag nicht mehr überdauern kann? Natürlich frage ich mich, ob ich vielleicht nicht mehr richtig ticke, ob ich vielleicht zu hohe Ansprüche an meine Umwelt habe, wenn ich sage: "Ich teile gern meine Zeit mit Dir, aber ich teile sie auch gern mit anderen. Jedoch lieben kann ich nur Einen und mit ihm teile ich nicht nur Zeit, mit ihm verbindet mich das Wissen.. Wir teilen immer unsere Zeit, auch wenn wir uns nicht sehen, nicht zusammen sind. Er ist immer da, egal wo er ist!"
"Nein, das wäre mir nichts. Ich möchte schon, dass man auch gewisse Dinge teilt, abspricht."
"Ja," antwortete ich, "das ist ja auch okay, aber das doch nicht 24 Stunden am Tag. Was willst Du denn abends, morgens - wann immer -. erzählen, wenn Du nach Hause kommst? Was hast Du denn davon, wenn er entgegen seinem Willen mit zum Kaffee zu Deinen Eltern kommt und sich die ganze Zeit unwohl fühlt? Wäre es nicht besser, Du hättest nicht darauf bestanden, sondern aktzeptiert, dass Du auch manches nicht willst?"

Und das war aus meiner Sicht nur ein Aspekt. Denn mal weiter gedacht: Wie will ich jemandem vertrauen, wie kann ich ihm glauben, dass er glücklich mit mir ist, wenn ich es womöglich selbst nicht bin (wenn auch zunächst unbemerkt), weil ich ständig meinen Zeitplan nach seinem richte, weil ich mich unterordne und womöglich Dinge, die mir wichtig sind, nachrangig behandle, um gemeinsamen Beschäftigungen Vorrang zu geben... Vollkommen okay, dass man Dinge gemeinsam tut - doch aber nicht ausschließlich!?"
"Nee, das sehe ich anders."
"Wieso NEIN", frage ich bestimmt. "Du kannst doch nicht Nein zu dem sagen, was meine Gefühle, meine Ansichten betrifft. Du kannst doch nicht argumentieren, dass nur, weil vielleicht sehr viele Menschen lieber mit Kompromissen in einer Partnerschaft leben als - so wie ich - allein, dass es deshalb asschließlich so geht. Denn die vielen Trennungen, die oftmals sofort in neue Partnerschaften aufgehen, die sich wieder trennen, und und und... sind doch ein Zeichen dafür, dass das auch nicht gesund ist!?"
"Nee, so kannste das nicht sehen. Es ist eben ein Makel unserer schnelllebigen Zeit. Ich wünsche mir ja auch jemanden, bei dem ich sagen kann: für immer! Aber dann muss man eben zu Kompromissen bereit sein. Das geht nicht ohne."
Okay, das kann ich akzepteren, was mein Gesprächspartner aber nicht mehr erfährt, denn sofort wird nachgesetzt: "Dann mußt Du Dich auch nicht wundern, dass Du alleine bist, wenn Du stur auf Deiner Meinung berharrst."

ICH? Ich will gerade diskutieren, überhaupt nicht stur sein, nur ein bißchen provozieren. Ist das zuviel? Es ist mein Hobby, Leute zu studieren, zu beobachten, Wertigkeiten zu analysieren. Ich will nicht, dass meine Meinung richtig ist und ich empfinde es nicht ausschließlich von ihrer, Ich will reden, will neue Wege betreten, Antworten finden, Lösungen suchen - ich will das Gespräch, den Disput um eine Sache, nicht um ums. Doch ich komme nicht mehr dazu, das zu sagen, denn mir - ja mir! - fehlen die Worte!
Ich fühle mich leer und enttäuscht, meines Spaßes beraubt in meiner Freizeit... Denn das Gespräch verebbte und wir saßen einfach nur noch beisammen und plauderten über Belangloses. Ich saß da und schaute in die bunte Menschenmenge und versuchte in ihren Gesichtern zu lesen, ob sie wohl glücklich sind: sie, die Männer und Frauen, die jungen und alten, die Mollis und Pollis, die Pauls und Paulas um mich herum!? Sie alle redeten, doch was sie sprachen, erreichte mich nicht, sie lachten, doch es belustigte mich nicht; es war, als ob ich in einer Glocke ins Meer gelassen wurde und zwar die Bilder wahrnahm, die Farben, das Getue, das Treiben, aber dennoch würde ich nicht gleichzeitig Teil des Schwarms sein, nur weil ich ihrer Mitte hing. Nein, ich kam mir viel mehr vor wie ein Hecht, der lauernd hinter einem Stein saß und nur darauf wartete, dass sich ein Fisch aus der Menge zu ihm verirrte. Nur ich war kein Hecht! Was immer ich war, ich war allein!
Also stand ich auf und wollte zahlen, als plötzlich eine warme Hand auf meiner Schulter parkte: "Mensch Martha, was ist denn los. Du warst ja lange nicht mehr hier." Es war Hugo und Hugo ist ein attraktiver Mann mittleren Alters, immer in Gönnerlaune und gern der Hahn im Korb. Seine (zweite oder dritte Ehe-) Frau Hanna, schwer eifersüchtig, aber immer bemüht, es gut zu kaschieren, kam ziemlich schnell zu uns gelaufen, denn tatsächlich hatte ich mich trotz Bezahlens noch von ihm zu einem Absacker überreden lassen.
Und wieder fing es an, in mir zu arbeiten: Kontrolle und Überwachung via Freiraum und lange Leine...
Hmm liebe Freunde, ich komme zu keinem Ergebnis und denke noch immer, das das Geheimnis des Glücks im Mittel liegt, darin, nicht zu viel zu erwarten und vor Allem nicht, dass der andere sich vollkommen in unsere Welt integriert - denn wollten wir das? Vollkommen? Immer und überall? Keine Lücke, die bleibt, die wir unsere "Geheimschatulle" nennen können? Die uns diesen gewissen Glanz in den Augen verleiht, wenn wir daran denken und die es ermöglicht, dass der Partner auch nach vielen Jahren noch etwas Neues an uns entdecken kann? Erinnert ihr euch, was ich über die "Jäger" schrieb?... Ja, das Thema "Partnerschaft" dürfte eines der ältesten, schwierigsten und langwierigsten Problemfelder der Menschen sein. Und es gibt kein Handbuch. Dann - und das ist ziemlich sicher - hätte es längst einen klugen Kopf gegeben, der diese Eingebung in Worte gekleidet und unter den Völkern verteilt hätte. Nein, jeder muss versuchen, nach seiner Fasson glücklich zu werden und wem es genügt, sich anzupassen, sich unterzuordnen, nur um nicht allein zu sein und das als Glück empfindet, der - bitte - möge dies tun. Aber er lasse mir meine Vorstellung von einer erfüllten Beziehung.

Wieso mich das heutige Zitat zu diesen Gedanken verleitete?
Nun: "... den Anspruch auf Dank nicht zu übertreiben." war der Ausöser.

..nämlich, wenn uns das gelingt, gerade in Bezug auf die Entscheidungen unserer Mitmenschen, wenn wir sie einfach lassen, wie sie sind und nur dann unseren Rat geben, wenn sie danach fragen, wenn wir akzeptieren, dass sie Teil unseres Lebens sind, weil wir sie für etwas mögen, dass uns verbindet, dann können wir im Stillen danken, dass es sie/ihn gibt, aber wir sollten nicht erwarten - und der "Anspruch auf Dank" drückt eine Erwartungshaltung aus - dass wir alle und ausschließlich einer Meinung sind.

Wie sagte schon Einstein: "Ein Abend, an dem alle einer Meinung sind, ist ein verlorener Abend."


Ich wünsche Euch nun ein frohes und erholsames Pfingstfest.
Genießt die warme Sonne und lasst Euch zu einem Spaziergang verführen.. oder zu einem Sonnenbad,
oder zu Beidem :o)

Macht's gut, Eure Martha
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Alltägliches
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Kommentare

Sorry, leider kann ich noch nicht mitreden. Ich feiere erst meinen 30. Hochzeitstag, (falls mir bis zur nächsten Woche nichts und niemand dazwischen kommt.)
Kommentarnr.: 1 Gepostet von: Winfried Schley (Website) am: 24.05.2008 22:48:34
na da drücke ich mal die Daumen (das nichts dazwischen kommt :o)

Ich kann leider auch nicht mitreden. Meine "längste" Zeit liegt bei den berühmten 7 Jahren,
aber ich habe dafür Freundschaften, die sich schon über mein halbes Leben halten und so bin ich einerseits guten Gewissens, dass ich nicht ganz neben der Spur laufe :o) und gebe andererseits die Hoffnung nicht auf, dass es eines Tages auch zu meinem "Topf" den berühmten Deckel gibt. Ich bin wirklich kein trauriger Single, denn es ist selbstgewählt: meine Tochter wird volljährig und die berühmte Uhr tickt in meinem Leben nicht. Darum geht es mir besser allein, als das da jemand wäre, der nur "Deko" ist. Ist nicht mein Ding...

Doch noch mal zurück zum Artikel: Mir kommt es nicht darauf an, ob es 10, 20, 30 oder mehr Jahre sind, die Paare miteinander verbringen - man kann stolz darauf sein, wenn man die Jahre meistert und beide glücklich sind. Dann ist es ein wirklicher Gewinn fürs Lebens- und somit Wohlgefühl...

Ich freue mich immer, solche schönen Sachen - wie die von Ihrem anstehenden Jubiläum - zu hören oder lesen und wünsche Ihnen von ganzem Herzen alles Gute für die gemeinsame Zukunft!

Lesen wir uns diesbezüglich also in 10 Jahren wieder... ;o)
Lg, Martha Sommerfeld
Antwort von: Martha Sommerfeld (Website) am: 25.05.2008 22:52:45

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