Freitag, 30. mai 2008
Man muss diese Welt nicht verstehen,
man muss sich in ihr zurecht finden.

Albert Einstein
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Unkommentierte Zitate
Kommentar hinzufügen Kommentare (1)    Trackback erstellen empfehlen
Dienstag, 27. mai 2008
Grundbedeutung: Um zu wissen, muss man sehen.

Die Eule ist ein Geschöpf der Nacht und wurde symbolisch mit Weisheit assoziiert, weil sie sehen kann, was andere nicht sehen können. Sie ist der einzige Vogel, der völlig lautlos fliegt. Die Eule steht symbolisch für Scharfblick und Urteilsvermögen und für die Notwendigkeit, sich vor Täuschung zu hüten.

Als Krafttier ermuntert uns die Eule zur Entwicklung unserer intuitiven Fähigkeiten und inneren Sinne und zur Suche nach einem Wissen, das den meisten Menschen verborgen bleibt. Sie ist eine Beschützerin und hilft uns, die Motive und Absichten anderer schneller zu erkennen, vor allem die jener Menschen, die uns zu betrügen oder irgendwie zu übervorteilen suchen.

Auch verhilft sie uns zur Erkenntnis, daß es in unserem Wesen eine dunkle Seite gibt, die wir nicht ignorieren oder unterdrücken sollten. Wir müssen die Existenz dieser Seite erkennen, um mit ihr umgehen zu können.

 


von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Alltägliches
Kommentar hinzufügen Kommentare (1)    Trackback erstellen empfehlen
Sonntag, 25. mai 2008
    Ein neuer Tag wurde geboren;
    Zeit gewonnen,
    nicht verloren

    Meterhoch die Wellen schlagen
    Schaumkronen in ihren Spitzen tragen

    Kraftvoll tosende Gischt,
    wenn sich die Welle am Ufer bricht.


Gedanken - weit auf's Meer hinausgetragen,
nur Einen möcht' ich Dir unbedingt sagen:
Ich liebe Dich!

Halte tief in meinem Herzen verborgen
das Erwachen mit Dir
an jenem Morgen...

Mar-S.

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    Trackback erstellen empfehlen
Montag, 19. mai 2008
Ich lag am Boden, reglos, matt,
als Du mich aufgesammelt
wie ein Blatt.

Ich weckte meinen Mut und fragte:
"Was willst Du mit mir - bitte - sprich!?"
"Sorry, aber das weiß ich noch nicht..."

Das ist nun viele Tage her,
manch Sommer ist ins Land gegangen.
Das Gestern liegt stets hinter uns,
Das Morgen ist verschwommen.

Doch Hoffnung setzte neue Saat
des Glaubens in unsre Herzen.
Und so lassen wir einander los
und wachsen immer fester zusammen.


Mar-S.
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    Trackback erstellen empfehlen
Samstag, 17. mai 2008

Ein Herz, das man liebt,
 lässt man ziehen.

Kehrt es zurück,
bleibt es für immer;

wenn nicht,
hat es Einem sowieso nie gehört.
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Unkommentierte Zitate Community: Gedichte
Kommentar hinzufügen Kommentare (2)    Trackback erstellen empfehlen
Samstag, 10. mai 2008
Die Dankbarkeit soll ein der schwersten Tugenden sein;
eine noch schwerere möchte es sein,
den Anspruch auf Dank nicht zu übertreiben!



Wow!
Wie, so frage ich mich, definiert man denn übertriebenen Anspruch auf ein Danke und wer legt diesen Anspruch fest!? Oder geht es in dem Zitat gar nicht um das DANKE, sondern um die egozentrische Bumfiedelei?
"Vielen Dank Frau Meier, dass sie die Post geholt haben!", ist zuviel - sollte sie es erwarten - wenn sie Sekretärin ist. "Vielen Dank Frau Meier, dass sie die Post geholt haben!", ist wohl angemessen - sowohl in der Erwartung als auch im Tun - wenn sie Nachbarin ist und während des Urlaubs nach dem rechten sah.

Liebe Lesefreunde,

ich gebe es gern zu, ich bin urlaubsreif und sicherlich ein bißchen sensibel dieser Tage, aber irgendetwas stimmt nicht mehr, irgendwie ist das Gleichgewicht im zwischenmenschlichen Bereich, das Verständnis füreinander aus den Fugen geraten,

Was ist nur los? Vor einigen Tagen beschäftigte mich diese Frage sehr, denn es ging noch einmal um das Thema: Ehe, Treue, natürlich, der Anlass war der 40te Hochzeitstag meiner Eltern - 40 Jahre, hieß es, das geht heute nicht mehr, naja,ist  eher selten... und ich fragte: Aber wieso?
Bin ich bockig, stur, dumm, wenn ich daran glauben will oder besser Hochachtung davor habe, dass es das noch gibt und meine Ansprüche an eine  Partnerschaft an solchen Dingen messe? Ist es wirklich illusorisch zu glauben, dass ein "gemeinsames Leben" den Alltag nicht mehr überdauern kann? Natürlich frage ich mich, ob ich vielleicht nicht mehr richtig ticke, ob ich vielleicht zu hohe Ansprüche an meine Umwelt habe, wenn ich sage: "Ich teile gern meine Zeit mit Dir, aber ich teile sie auch gern mit anderen. Jedoch lieben kann ich nur Einen und mit ihm teile ich nicht nur Zeit, mit ihm verbindet mich das Wissen.. Wir teilen immer unsere Zeit, auch wenn wir uns nicht sehen, nicht zusammen sind. Er ist immer da, egal wo er ist!"
"Nein, das wäre mir nichts. Ich möchte schon, dass man auch gewisse Dinge teilt, abspricht."
"Ja," antwortete ich, "das ist ja auch okay, aber das doch nicht 24 Stunden am Tag. Was willst Du denn abends, morgens - wann immer -. erzählen, wenn Du nach Hause kommst? Was hast Du denn davon, wenn er entgegen seinem Willen mit zum Kaffee zu Deinen Eltern kommt und sich die ganze Zeit unwohl fühlt? Wäre es nicht besser, Du hättest nicht darauf bestanden, sondern aktzeptiert, dass Du auch manches nicht willst?"

Und das war aus meiner Sicht nur ein Aspekt. Denn mal weiter gedacht: Wie will ich jemandem vertrauen, wie kann ich ihm glauben, dass er glücklich mit mir ist, wenn ich es womöglich selbst nicht bin (wenn auch zunächst unbemerkt), weil ich ständig meinen Zeitplan nach seinem richte, weil ich mich unterordne und womöglich Dinge, die mir wichtig sind, nachrangig behandle, um gemeinsamen Beschäftigungen Vorrang zu geben... Vollkommen okay, dass man Dinge gemeinsam tut - doch aber nicht ausschließlich!?"
"Nee, das sehe ich anders."
"Wieso NEIN", frage ich bestimmt. "Du kannst doch nicht Nein zu dem sagen, was meine Gefühle, meine Ansichten betrifft. Du kannst doch nicht argumentieren, dass nur, weil vielleicht sehr viele Menschen lieber mit Kompromissen in einer Partnerschaft leben als - so wie ich - allein, dass es deshalb asschließlich so geht. Denn die vielen Trennungen, die oftmals sofort in neue Partnerschaften aufgehen, die sich wieder trennen, und und und... sind doch ein Zeichen dafür, dass das auch nicht gesund ist!?"
"Nee, so kannste das nicht sehen. Es ist eben ein Makel unserer schnelllebigen Zeit. Ich wünsche mir ja auch jemanden, bei dem ich sagen kann: für immer! Aber dann muss man eben zu Kompromissen bereit sein. Das geht nicht ohne."
Okay, das kann ich akzepteren, was mein Gesprächspartner aber nicht mehr erfährt, denn sofort wird nachgesetzt: "Dann mußt Du Dich auch nicht wundern, dass Du alleine bist, wenn Du stur auf Deiner Meinung berharrst."

ICH? Ich will gerade diskutieren, überhaupt nicht stur sein, nur ein bißchen provozieren. Ist das zuviel? Es ist mein Hobby, Leute zu studieren, zu beobachten, Wertigkeiten zu analysieren. Ich will nicht, dass meine Meinung richtig ist und ich empfinde es nicht ausschließlich von ihrer, Ich will reden, will neue Wege betreten, Antworten finden, Lösungen suchen - ich will das Gespräch, den Disput um eine Sache, nicht um ums. Doch ich komme nicht mehr dazu, das zu sagen, denn mir - ja mir! - fehlen die Worte!
Ich fühle mich leer und enttäuscht, meines Spaßes beraubt in meiner Freizeit... Denn das Gespräch verebbte und wir saßen einfach nur noch beisammen und plauderten über Belangloses. Ich saß da und schaute in die bunte Menschenmenge und versuchte in ihren Gesichtern zu lesen, ob sie wohl glücklich sind: sie, die Männer und Frauen, die jungen und alten, die Mollis und Pollis, die Pauls und Paulas um mich herum!? Sie alle redeten, doch was sie sprachen, erreichte mich nicht, sie lachten, doch es belustigte mich nicht; es war, als ob ich in einer Glocke ins Meer gelassen wurde und zwar die Bilder wahrnahm, die Farben, das Getue, das Treiben, aber dennoch würde ich nicht gleichzeitig Teil des Schwarms sein, nur weil ich ihrer Mitte hing. Nein, ich kam mir viel mehr vor wie ein Hecht, der lauernd hinter einem Stein saß und nur darauf wartete, dass sich ein Fisch aus der Menge zu ihm verirrte. Nur ich war kein Hecht! Was immer ich war, ich war allein!
Also stand ich auf und wollte zahlen, als plötzlich eine warme Hand auf meiner Schulter parkte: "Mensch Martha, was ist denn los. Du warst ja lange nicht mehr hier." Es war Hugo und Hugo ist ein attraktiver Mann mittleren Alters, immer in Gönnerlaune und gern der Hahn im Korb. Seine (zweite oder dritte Ehe-) Frau Hanna, schwer eifersüchtig, aber immer bemüht, es gut zu kaschieren, kam ziemlich schnell zu uns gelaufen, denn tatsächlich hatte ich mich trotz Bezahlens noch von ihm zu einem Absacker überreden lassen.
Und wieder fing es an, in mir zu arbeiten: Kontrolle und Überwachung via Freiraum und lange Leine...
Hmm liebe Freunde, ich komme zu keinem Ergebnis und denke noch immer, das das Geheimnis des Glücks im Mittel liegt, darin, nicht zu viel zu erwarten und vor Allem nicht, dass der andere sich vollkommen in unsere Welt integriert - denn wollten wir das? Vollkommen? Immer und überall? Keine Lücke, die bleibt, die wir unsere "Geheimschatulle" nennen können? Die uns diesen gewissen Glanz in den Augen verleiht, wenn wir daran denken und die es ermöglicht, dass der Partner auch nach vielen Jahren noch etwas Neues an uns entdecken kann? Erinnert ihr euch, was ich über die "Jäger" schrieb?... Ja, das Thema "Partnerschaft" dürfte eines der ältesten, schwierigsten und langwierigsten Problemfelder der Menschen sein. Und es gibt kein Handbuch. Dann - und das ist ziemlich sicher - hätte es längst einen klugen Kopf gegeben, der diese Eingebung in Worte gekleidet und unter den Völkern verteilt hätte. Nein, jeder muss versuchen, nach seiner Fasson glücklich zu werden und wem es genügt, sich anzupassen, sich unterzuordnen, nur um nicht allein zu sein und das als Glück empfindet, der - bitte - möge dies tun. Aber er lasse mir meine Vorstellung von einer erfüllten Beziehung.

Wieso mich das heutige Zitat zu diesen Gedanken verleitete?
Nun: "... den Anspruch auf Dank nicht zu übertreiben." war der Ausöser.

..nämlich, wenn uns das gelingt, gerade in Bezug auf die Entscheidungen unserer Mitmenschen, wenn wir sie einfach lassen, wie sie sind und nur dann unseren Rat geben, wenn sie danach fragen, wenn wir akzeptieren, dass sie Teil unseres Lebens sind, weil wir sie für etwas mögen, dass uns verbindet, dann können wir im Stillen danken, dass es sie/ihn gibt, aber wir sollten nicht erwarten - und der "Anspruch auf Dank" drückt eine Erwartungshaltung aus - dass wir alle und ausschließlich einer Meinung sind.

Wie sagte schon Einstein: "Ein Abend, an dem alle einer Meinung sind, ist ein verlorener Abend."


Ich wünsche Euch nun ein frohes und erholsames Pfingstfest.
Genießt die warme Sonne und lasst Euch zu einem Spaziergang verführen.. oder zu einem Sonnenbad,
oder zu Beidem :o)

Macht's gut, Eure Martha
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Alltägliches
Kommentar hinzufügen Kommentare (1)    Trackback erstellen empfehlen
Mittwoch, 7. mai 2008


aus Stuff's Zeichnungen 2006
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Comic Gallery
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    Trackback erstellen empfehlen
Dienstag, 6. mai 2008


... aus Stuff's Zeichnungen (2006)
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Comic Gallery
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    Trackback erstellen empfehlen
Donnerstag, 1. mai 2008

Mit sanftem Kick warf er das Büchlein zurück auf den Schreibtisch, als er sich erhob, um das Fenster zu öffnen. Die warme Morgenluft umhüllte ihn und er erstarrte fast, als Jutta das Büro betrat. Bewegungslos versuchte er sich mit einem Lächeln zu bedanken. 
„Ist alles in Ordnung?“, fragte sie fürsorglich.

Jutta Klein war eine agile, untersetzte Frau mittleren Alters, die in ihrer ganzen Körperhaltung ausdrückte, dass sie ihre Mitte gefunden hatte und ihren Job über die Maße genau dazu brauchte. Insgeheim ahnte sie bereits, als sie den Botendienst in der Früh gegenzeichnete, dass es etwas Besonderes mit Herrn Amadeus aus sich haben würde. Aber es war ihr Job, nichts zu hinterfragen, als vielmehr die Situationen zu erkennen und danach zu handeln. 

Maximilian nickte nur kurz und war spürbar erleichtert, als sie die Tür kommentarlos hinter sich schloss. 'Herrgott - Meta!' Er schloss die Augen und atmete tief durch. Er zog das Handy aus seiner Jackentasche und tippte aus dem Kopf ihre Nummer, zögerte dann aber, den grünen Hörer zu drücken. Eine mulmiges Gefühl kroch in ihm hoch: Was, wenn sie längst die Nummer gewechselt hatte. Es waren Monate vergangen, seit sie sich das Letzte Mal gesehen hatten. Und überhaupt, was sollte er sagen?

Er spürte an seinem Zittern, unter welcher Spannung er stand. Kurzer Hand beschloss er, sich für heute frei zu nehmen. Er fühlte sich außer Stande, auch nur einen klaren Gedanken fassen zu können. Es war kaum acht Uhr an einem Montag mitten im Hochsommer. - wer nicht sowieso gerade Urlaub hatte, versuchte, das Wochenende so lange wie möglich auszudehnen. Solche Tage riefen förmlich danach, endlich mal Überstunden abzubummeln. Mit ein wenig Glück konnte er sich unerkannt vom Hof schleichen und niemand würde wissen, dass er heute überhaupt schon hier war. Jutta, darauf wusste er konnte er setzen, würde alle mit der Antwort konfrontieren, die er ihr vorgab.

 

<wird fortgesetzt>

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Schwarze Schafe
Kommentar hinzufügen Kommentare (1)    Trackback erstellen empfehlen
Donnerstag, 1. mai 2008

Die Tür drehte sich schwungvoll weiter, als er das Bürogebäude betrat. Es war ein sonniger Montagmorgen und das helle Licht drang so kraftvoll durch die mattierten Fensterscheiben, dass es dem gesamten Innenraum ein behagliches Ambiente verlieh. Trotz seiner modernen Architektur, vermittelte das Gebäude etwas Gemütliches. Maximilian genoss diese Wärme jeden Tag auf´s Neue und atmete kraftvoll durch, bis er schließlich seine Schritte zum Tresen lenkte.


Guten Morgen, Jutta. Hatten Sie ein schönes Wochenende?“, begrüßte er die Dame am Empfang. Ja, Danke!“, antwortete sie gut gelaunt, während sie kurz inne hielt, die Blumen mit frischem Wasser zu versorgen. “Wir haben das schöne Wetter genutzt und sind ein bisschen in die Berge gefahren. Und wie geht es Ihnen, Max? Sie sind früh dran.“
Oh ja, die Straßen waren heute Morgen völlig leer. Dann brauche ich kaum eine halbe Stunde hierher. Wenn es doch immer so wäre“. Er lachte und trat zu seinem Postfach.
Ein Lächeln huschte über Juttas Gesicht, als sie ohne aufzuschauen weiter sprach: „Sie haben Besuch.“

Was? Um diese Zeit?“ Er schaute sie ungläubig an. In Gedanken ging er seinen Kalender durch und konnte sich nicht erinnern, für heute Termine geplant zu haben. Insgeheim hoffte er auf Ihre Unterstützung. „Wer erwartet mich denn?“ Sie senkte leicht den Kopf, während sie ihn eindringlich ansah und es war offensichtlich, dass sie ihren Wissensvorsprung genoss. Nach einer kurzen Pause antwortete sie schließlich: „Ein Herr Amadeus. Er sagte, es wäre privat. Ich dachte, es ist in Ordnung, wenn er gleich in ihrem Büro auf Sie wartet.“
Herr Amadeus?!“ huschte es fragend über seine Lippen und die Fragezeichen standen ihm ins Gesicht geschrieben: „Ich kenne keinen Herrn Amadeus, Jutta.“

Kopfschüttelnd und völlig ideenlos betrat er den Lift. Sein Büro lag im Dachgeschoss und es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, bis sich die Türen wieder öffneten. Insgeheim ärgerte er sich ein bisschen über Jutta's Gutgläubigkeit. Wie konnte sie einen wildfremden Menschen einfach in seinem Büro platzieren. Noch dazu, wenn in seinem Kalender kein Termin vermerkt war. Andererseits war sie die gute Seele des Hauses und seit Jahren mit allen Geflogenheiten vertraut. Er musste sich eingestehen, dass ihre Ruhe und gleichzeitige Vorfreude seine Überraschung um ein Vielfaches übertroffen hatten, als dass er überhaupt Bedenken hatte, geschweige denn, diese hätte in Worte kleiden können. Er lief weiter über den Gang, unwissend, auf wen er gleich treffen würde. 'Herr Amadeus?!' Er hatte keine Ahnung und lachte in sich hinein, als er endlich sein Büro erreichte. Erwartungsvoll drückte er die Klinke herunter und als die Öffnung den Blick in seinen Raum freigab, schaute er direkt in das freundliche Gesicht eines riesengroßen Stoffbären. Wie vom Blitz getroffen stockte er in seiner Bewegung und schloss gedankenverloren die Tür hinter sich. Sein Herz hämmerte in seiner Brust. Von der Überraschung berührt, fuhr ihm seine rechte Hand an die Lippen. „Amadeus!“, hauchte er aus tiefem Herzen.

Er ging einen Schritt näher, legte die Post ab und lehnte seine Tasche gegen den Fuß des Schreibtisches. Dann packte er das Tier und presste es fest an seinen Bauch. Aus seinem Schoß viel ein kleines Päckchen. Er hob es auf und legte es zu den anderen Dingen auf den Tisch. Maximilian ließ sich in seinen Stuhl fallen und betrachte den Bären auf seinem Schoß. An seinem rechten Arm trug er ein silbernes Armband. Er schüttelte ungläubig den Kopf, ohne den Blick abzuwenden. Natürlich kannte er ‚Herrn Amadeus’ und auch das Armband, das ihn kleidete.


Meta!
Tausend Erinnerungen strömten auf ihn ein und völlig nah erschien ihm der Tag, an dem er ihr diesen Bären geschenkt hatte. Das war an einem Sonntag im Januar, der seinem Namen alle Ehre machte - zwar eisig kalt und mit viel Schnee - aber mit einem gönnerhaftem, blauen Himmel. Eines Tages hatte er ihn in einer Mittagspause in den Auslagen eines Kaufhauses gesehen und dabei sofort an Meta gedacht. Hundertfach hatte er sich in seinen Träumen ausgemalt, wie er sie damit überraschen wollte, wenn sie sich das nächste Mal trafen. Schließlich verabredeten sie sich für jenen Sonntag und er lotste sie per Telefon über die verschneiten Wege im Englischen Garten, bis sie so nah vor ihm stand, dass er es nicht mehr aushielt und seine Deckung endlich aufgab. Den Bären hatte er auf die nahe gelegene Hecke gesetzt. Als Meta sich umdrehte, entluden sich mit einem Mal Aufregung und Neugier zugleich. Ihre Freude erhellte ihr ganzes Gesicht. Fast gleichzeitig trat sie zur Hecke und auf ihn zu. Sie drehten sich im Schnee, während sie sich innig zur Begrüßung küssten. Ihr Lachen schallte bis tief in sein Herz. 
Du liebst große Auftritte, nicht wahr?“ Sie strahlte eine solche Zufriedenheit aus, dass sich die Leute im Park nach ihnen umdrehten. In solchen Augenblicken waren sie eins und er der glücklichste Mann dieser Welt. Allein dafür, dass sie die Fähigkeit besaß, ihm das Gefühl zu geben, dass er ihre Wünsche und Sehnsüchte kannte, ohne dabei auch nur den geringsten Zweifel von jenem Wissen erkennen zu lassen, dass es Vollkommenheit nicht gab, liebte er sie. Übermütig drückte sie ihm eine Bärenpfote in die Hand und während sie weiter liefen, schaukelte nun das helle Stoffknäuel lustig in ihrer Mitte. Unersättlich tauschten sie Blicke und Zärtlichkeiten aus und eine wohlige Wärme durchströmte seine Venen. Es war offensichtlich, wie sehr sie seine Nähe genoss, seine Art und seine Verrücktheiten liebte. Und sie schaffte es immer wieder, ihn binnen von Sekunden, seiner Ängste und Zweifel zu befreien. Es war mehr, als man Glück definieren könnte.


Hat er schon einen Namen? Er muss doch einen Namen haben“, plauderte sie los.
Nein, chou, den hat er noch nicht.“ Er legte seinen Arm um ihre Schultern und verzehrte sich nach ihrer unbekümmerten Art. Er wünschte sich, jetzt die Zeit einfach anhalten zu können. Ziellos schlenderten sie in trauter Einheit durch den Park; sie trug den Bären, mittlerweile fest in beiden Händen haltend, vor sich her und er hielt sie. Okay“, sinnierte sie weiter. „Lass mich mal überlegen!“
Von Kälte durchzogen und mit hochroten Gesichtern kehrten sie ein wenig später in ein kleines Gasthaus ein. Leise untermalte die Musik das Stimmengewirr und über dem Tisch streichelten sie sich an den Händen, verwebten ihre Blicke, als Meta plötzlich - scheinbar ohne erkennbaren Zusammenhang - sagte: „Amadeus! - Wir nennen ihn Amadeus. Was hälst du davon?“

Er dachte gar nichts und im Grunde war es ihm völlig egal. Er hatte eher das Gefühl, die reale Welt verlassen zu haben und einige Zentimeter über dem Boden zu schweben, als er ihre Hand fester hielt und sich antworten hörte: „Woher nimmst du nur immer deine Ideen, chou? Aber es klingt gut. Wenn du es willst, nennen wir ihn so!“ Sie strahlte ihn an und wie aus der Ferne drangen ihre Worte zu ihm herüber: „Fein! Also heißt er von nun an Amadeus.“ Sie setzte sich auf, während sie das Glas erhob, um feierlich zu verkünden: „Auf Amadeus!“
Auf Dich“, antwortete er. Ein feiner Klang drang in den Raum, als sich Ihre Gläser berührten. In ihren Blicken versunken, nahmen sie keinerlei Notiz von ihrer Umwelt. Wie im Fluge verging die Zeit und die ganze Welt schien sich ein bisschen schneller zu drehen. Wie immer, wenn sie zusammen waren…

Er sah ihr direkt in die Augen, als ihn das monotone Klingeln des Telefons aus seinen Erinnerungen riss und in die Realität zurückholte. Benommen sah er aufs Display. 
Er griff zum Hörer: „Ja?!“, raunte er.
Oh, ich wollte Sie nicht stören, Max“, zirpte Jutta Klein amüsiert. „Ich wollte Sie nur fragen, ob sie vielleicht einen Kaffee möchten?“ Er räusperte sich und erleichtert, dass es nichts Wichtiges war, antwortete er: „Ja, sehr gern. Das ist wirklich eine gute Idee!“

Noch immer fassungslos sank er in den Sitz zurück. Er glaubte Meta's Haut zu fühlen, während seine Hände über das weiche Fell des Bären strichen und er hörte tief aus seinem Innern ihre Stimme, ihr Lachen. Er atmete tief durch und seine Blicke fokussierten das Päckchen, das auf seinem Tisch lag. Vorsichtig befreite er den Inhalt von seiner Verpackung und es enthüllte sich ein handgebundenes Taschenbuch: „Funny Sunday Island“, las er tonlos. Ein Blubbern breitete sich in seinem Magen aus und er ließ die Seiten durch seine Hände laufen. Am Ende angekommen, blätterte er zurück zur Mitte, sah die Worte, unfähig, gegenwärtig auch nur eine Zeile davon zu lesen. Sein Herz krampfte sich zusammen und Tränen liefen über sein Gesicht. Kurz nachdem sie sich damals kennengelernt hatten, hatte sie ihn eines Morgens völlig Glücktrunken angerufen, um ihm mitzuteilen, dass sie diese Geschichte geträumt und nun begonnen habe, sie zu Papier zu bringen. Er hatte keine Ahnung, was ihn erwartete, bis sie ihm die erste Version schickte. Natürlich hatte er sich vorgenommen, gerade unter Anbetracht ihrer Euphorie, sie in jedem Fall für gut zu befinden, aber schnell ertappte er sich dabei, dass er sehnsüchtig auf die Fortsetzung wartete. Doch Meta hatte immer nur lachend gesagt, dass sie Zeit und Fügung dazu brauche.


Ach Schubidu“, erklärte sie dann fast flehend, „Verlust, Trennung, Umzug, ein Rucksack voll Schulden und ein wenig Existenzangst, dazu ein neuer Job, neue Kollegen... das alles ist gut und richtig so, aber trotzdem schwer zu verarbeiten und leider wirklich kein guter Nährboden für Phantasie. Aber das geht alles vorbei und dann“, sie atmete tief durch „...dann werde ich irgendwann mal die Zeit finden, nur zu tun, was ich will.“  Und als ob sie dann aus einer anderen Welt weiter sprach, fügte sie hinzu: „Manchmal wünsche ich mir, dass ich einfach tun darf, was mir gerade gut tut. Nicht immer diese Vernunft! Dieses Funktionieren! Das nimmt mir die Luft... Ich bin müde, chou!“


Maximilian fühlte sich solchen Gefühlsausbrüchen hilflos ausgeliefert und fand keine Worte, die ihr Halt hätten geben können. Zu sehr war er in seiner Welt gefangen. Er wusste nur zu gut, dass es mehr als egoistisch war, in dieser Situation noch mehr von all dem, wovon er so sehr zehrte, zu verlangen. Und er wusste auch, dass er seinen Beitrag daran hatte, dass sie ihren Alltag allein meistern musste. Er schaffte es nicht, so wie sie, eine Entscheidung zu treffen und diesen letzten, endgültigen Schritt in eine gemeinsame Zukunft zu gehen, sich von seiner Frau und seiner gewohnten Umgebung zu trennen. Allein, dass sie in zwei Städten lebten und über 600 Kilometer von einander getrennt waren, barg mehr als genug Nährboden für Schwierigkeiten. So aber hatte er überhaupt keine Forderungen zu stellen. Jedoch gingen Wissen und Versuchen zwei unterschiedliche Wege.
 

Insgeheim plagte ihn das schlechte Gewissen, dass er ihren Mut niemals aufbringen würde. Zunächst aus Selbstschutz begann er ihr klammheimlich ein wenig Mitschuld an seiner Unentschlossenheit unter zu mischen. Doch nach und nach verschmolz Lüge und Realität so sehr miteinander, dass er noch mehr Mut gebraucht hätte, ihr seine Unfähigkeit zu beichten, den er – so musste er sich eingestehen - niemals aufbringen würde.


Wissend, dass Meta eines Tages diese Lüge enttarnen musste, um ihn dann – und das zu Recht – in hohem Bogen in die Wüste zu schicken, versuchte er zum Einen, seine Ehe in Balance und parallel den Zustand des Glücks mit Meta möglichst lange zu halten. Solange sie mit der Wiederherstellung ihrer Stabilität beschäftigt war, hatte er gute Chancen, dass sein Nichtstun unerkannt blieb. Er benutzte also ihre Verrücktheit und Phantasie, um ein Luftschloss nach dem Anderen zu bauen, bis einiges Tages – wie voraussehbar - die gesamte Traumwelt wie eine Seifenblase zerplatzte... Einfach so!

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Schwarze Schafe
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    Trackback erstellen empfehlen

Profil

Neueste Kommentare

Blog : Technologie auf de.over-blog.com - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Werbung - Missbrauch melden