Donnerstag, 31. januar 2008

immer nachts, wenn ich nicht schlafen kann
geh ich die straßen entlang
sehe in tausend lichter,
doch in keine gesichter

immer nachts, wenn ich nicht schlafen kann
geh ich die straßen entlang
sehe fenster und bänke
und viele sind da, derer ich grad gedenke

immer nachts, wenn ich nicht schlafen kann
geh ich die straßen entlang
bleib auf der brücke stehn
verzückt dabei, den seichten wellen zu zusehn

immer nachts, wenn ich nicht schlafen kann
geh ich die straßen entlang
höre musik, so schön und so leise
und wünschte, ich wäre ein klein bißchen weise

immer nachts, wenn ich nicht schlafen kann
geh ich die straßen entlang
und genieße die stille
spüre die kraft - unendlicher wille

immer nachts, wenn ich nicht schlafen kann
geh ich die straßen entlang
denke an unsre gemeinsamen stunden -
im grunde haben wir uns doch gefunden

immer nachts, wenn ich nicht schlafen kann
geh ich die straßen entlang
...
und komme - einfach - zu dir!

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
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Dienstag, 29. januar 2008
Du  darfst  niemals aufgeben,
aber auf  keinen  Fall dann,
wenn alle es erwarten...


Liebe  Lesefreunde,

als ich  zum  Jahresbeginn  dieses blog startete, hatte ich selber kaum mehr einen Überblick, wie viele Gedanken  ich im Laufe der Jahre schon mal irgendwann zu Papier gebracht habe. Das heutige Zitat ist einer davon und er ist so alt, dass ich es selber kaum glauben kann. Damals ging ich noch zur Schule... Und er ist heute noch so aktuell, dass er wahrscheinlich lange zu einem Teil von mir geworden ist. "Niemals aufgeben - egal, wie ausweglos eine Situation im Augenblick auch erscheint!"

Hat man sie bewältigt und das aus eigener Kraft, gewinnt man so sehr an Selbstachtung, dass man lange davon zehrt. Ich mußte mir alle Erfolge immer selber erarbeiten, geschenkt wurde mir kaum etwas. Und auch die letzten Jahre waren kein Spaziergang. Manchmal bohrte dann in mir der Wunsch, einfach alles hinzuschmeißen. Aber was kommt dann? Ich glaube, könnte man zum Zeitpunkt des 100Meilen unter Null gefühlten Tiefpunkts wirklich glauben, dass es tiefer nicht geht, würde man tatsächlich aufgeben. Doch der Verstand siegt und man steht wieder auf und tritt weiter in die Pedale - kreist weiter im Hamsterrad auf hohem Niveau.

Erst viel später - wenn man die Früchte ernten darf, die man selber gesät hat, wenn nur noch gelegentlich Erinnerungen an die endlosen Mühen und die nie zu enden scheinende Kette der Enttäschungen auftauchen - weiß man, dass dieser tiefste Tiefpunkt, der Wendepunkt war.

Im Moment habe ich das Gefühl, dass es aufwärts geht  - ich wollte es einfach. Ja, wie ein kleines, bockiges Kind stampfte ich eines schönen Tages mit dem Fuss und sagte: "Ich will!"
Es geht natürlich nur behutsam voran - gemach, gemach! Aber die Reihen lichten sich und auch diese prikäre Situation zum Jahresbeginn gemeistert zu haben - das scheinbare Finale aller Fiasken der Vergangenheit - gibt mir ein gutes Gefühl; nicht nur für den Moment, sondern es lodert tiefer, tief innen in mir. Zum ersten Mal nach vielen Enttäuschungen habe ich Freundschaft/Halt an einer Stelle erfahren, von der ich lange überzeugt war, dass es sie dort nur in den Träumen gibt. Auf einer Karte las ich neulich: "Fasse Deinen Mut zusammen. Es ist kein Elend dieser Welt von beständiger Dauer!"...

Wenn die Hoffnung die Mutter des Herzens und das Vertrauen der Vater des Bauchgefühls ist, dann ist die Toleranz der Pate unseres Verstandes, der Schlichter aller Parteien. Wir glauben vielleicht manchmal, dass uns etwas so sehr verletzte, dass wir einen Teil dieses inneren Seelengerüstes verloren haben, doch ich glaube fest, sie ruhen nur - wir können jeden von ihnen jederzeit wieder erwecken, wenn wir es schaffen, uns von dem Trauma zubefreien. Und nur der Glaube an uns selbst, kann das vollbringen. Nur wenn wir die Tür öffnen, um zu sehen, was dahinter ist, kann ein anderer draußen winken und sagen: "Hallo! Schön, dass Du da bist!" Aber diesen ersten Schritt dorthin müssen wir selbst tun... "Nichts auf dieser Welt ist hoffnungslos traurig. Selbst eine Träne, die die Wange hinunterläuft, kitzelt!"


Oha Freunde, den Spaß, solche Gedanken in tausend Facetten auszubreiten, habe ich von meinem Vater. Früher waren wir oft stundenlang in dieserart Gespräche vertieft und verknoteten ein Thema gar tausendfach. Und noch heute kann es passieren, dass wir über ganz banale Dinge plaudern und plötzlich in einer tiefen philosophischen Debatte verharren. Für mich ist das Entspannung. Alle Hirnwände kommen zum Einsatz und danach ist es wie nach einem guten Ausdauerlauf - man ist angenehm erschöpft. Es ist quasi mentales Training - geistige Fittness - das einzige Kapital des Mitgiftlosen - und hat auch seinen Reiz, wie ich finde...  :o)


Eure Martha
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Alltägliches
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Freitag, 25. januar 2008
Liebe  Lesefreunde,


heute war  ein sehr lustiger Tag. Er  begann so, dass ich morgens  eigentlich ganz andere  Pläne hatte, als  ich  nun - zu  vorgerückter Stunde - sagen könnte, dass sie in irgendeiner Weise auch stattgefunden hätten. Aber - den Tag resümierend - kann ich behaupten, dass ich alles erledigt habe, was ich tun wollte. Ist da der Zeitplan noch wichtig!?

Nöö, oder!?

Albert  Einstein sagte mal: Die Planer planen und das Schicksal lacht dazu!

Ein  schöner Ausspruch, wie ich finde. Bringt er doch  unsere  menschliche Schwäche in einem  kurzen Satz auf den Punkt. Es  ist doch  überhaupt nicht wichtig, dass wir uns immer an Uhrzeiten halten (ich spreche nicht von "festen" Terminen), sondern dass wir dann da sind, wenn wir gebraucht werden, wenn unser Dafürtun einen Sinn macht - wir wirklich Zeit für die Dinge haben - oder sehe ich das zu einfach!?

Diese Nichtplanbarkeit einer Anwesenheit bestimmt doch über soviele weitere Entwicklungen. Ein Beispiel: Eigentlich wollten wir morgens das Kostüm aus der Reinigung holen, davor noch schnell zur Post, um Briefe abzugeben, danach in den Supermarkt, um einzukaufen und dann - nach der Reinigung, zurück ins Büro fahren, um die Dinge zu tun, die man eben zwischenzeitlich im Büro tun muss...
Aber es kam anders. Das Telefon klingelte schon gleich am Morgen unaufhörlich und über den Gesprächen offenbarte sich die Unnützigkeit mindestens eines Briefes - Du schiebst - Überweisungen, Dinge, einfach Alles. Es hat Zeit!. Derweilen tippst Du einige Antworten an Mailversender und bist lange gelandet - im eigentlichen Tag. Es ist  fast Mittag, ein nicht zu verschiebendes Gespräch erfolgt und ein weiterer Termin, der um Aufschub nicht bittet. "Ok", denkst Du danach. "Es ist halb vier. Das Kostüm kannst Du auch morgen abholen.; einkaufen auch." Und so geht es weiter. Die restlichen Gespräche bringen Spass und Ergebnisse. Dann steigst Du ins Auto und auf dem Beifahrersitz liegt die Post. Lächelnd hälst Du am Briefkasten und wirfst die vorgefertigten Umschläge ein - außer dem Einen.  Endgültig glücklich fährst Du nun heim. Es ist lange nach acht ... Du parkst ein und weißt zu schätzen, dass Du einen Parkplatz hast. Langsam findet sich Dein Weg zur Wohnungsür, bis zu endlich den Schlüssel umdrehst, die Tür hinter Dir schließt und denkst: Feierabend!
Erst Stunden später fällt Dir ein, was Du eigentlich alles tun wolltest, aber es war ja nicht, dass Du es nicht wolttest. Es kam halt mal wieder alles ganz anders... Gab es etwas Wichtiges, dass Du vergessen hast? Nein - denn wer davon lebt, nicht in gewohnten Bahnen zu denken, kann nicht erwarten, dass sein Leben gewöhnlich verläuft. Und wer dieses Leben mit diesem Menschen teilt, teilen möchte - teilen muss - kann - oder muss - sich damit abfinden, dass dieser Andere sensationell im Augenblick und außergwöhnlich im Allgemeinen sein kann, aber hin und wieder nicht zu greifen... Das ist das Los! Nicht, das er es sich aussucht...

Jedoch ihn zu verändern zu versuchen käme einer Kastration gleich, einer Amputation seiner Stärken von seiner Person. Und das wäre gleichbedeutend einem Fehlen dieser Person im eigenen Leben - wollten wir das?

Leben wir also mit den eigenen Schwächen und den Schwächen anderer und haben so eine schöne, erlebnisreiche und harmonische Zeit. Denn es lebt sich ruhiger mit der Erkenntnis (wie ich finde), dass es Perketion nur in ihrem Danach-Streben, nicht jedoch im alltäglichen Leben, gibt. Ich wünsche allen ein "perfektes" Wochenende... bis bald :o)


Eure Martha





von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Alltägliches
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Freitag, 25. januar 2008
Komisch ist es auf der Welt;
da gibt es Einen, der Dir gefällt
und darfst es ihm nicht sagen,
weil dies sich nicht nach Norm verhält.

Und ist es so, dass ihm es ganz genauso geht,
dann lebt man, ohne dass man sich's gesteht.
Denn dazu ist die Welt zu blind,
um je zu sehen, wann Menschen wirklich glücklich sind.



von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
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Donnerstag, 24. januar 2008
du siehst nicht,
wenn die liebe spricht;
du siehst nicht mal wofür
sie dir geöffnet hat so manche  tür.

du siehst nicht,
wenn  die  liebe spricht;
du nutzest weder aug noch ohren -
zu oft schon hat man dich bekohren.
IMG_1369.JPG
du siehst nicht,
wenn die liebe spricht;
siehst nicht den liebreiz  zarter winden
die deine worte unterbinden.

du siehst nicht,
wenn die liebe spricht;
viel besser ist es, zu entschwinden
statt worten taten zu verbinden...

du siehst nicht,
wenn die liebe spricht ;
- und doch
suchst du den weg zurück zu ihr...

nicht einmal, zweimal, dreimal - immer -
nie gehen darf sie von dir  - nimmer!

du bist der herr,
du kennst den weg ;
doch niemals warest du erpicht,
zu sehen, was die liebe spricht!

drum bedenke:
wenn Du nicht siehst den weg zu ihr
- so folge nur dem Licht  - dem ich -
FÜR IMMER!...



von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
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Donnerstag, 24. januar 2008


-(Bild: Carl Spitzweg)
www.carl-spitzweg.de


Der Einsame

Wer einsam ist, der hat es gut,
Weil keiner da, der ihm was tut.
Ihn stört in seinem Lustrevier
Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,
Und niemand gibt ihm weise Lehren,
Die gut gemeint und bös zu hören.

Der Welt entronnen, geht er still
In Filzpantoffeln, wann er will.
Sogar im Schlafrock wandelt er
Bequem den ganzen Tag umher.
Er kennt kein weibliches Verbot,
Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.

Geschützt vor fremden Späherblicken,
Kann er sich selbst die Hose flicken.
Liebt er Musik, so darf er flöten,
Um angenehm die Zeit zu töten,
Und laut und kräftig darf er prusten,
Und ohne Rücksicht darf er husten,
Und allgemach vergißt man seiner.

Nur allerhöchstens fragt mal einer:
Was, lebt er noch? Ei, Schwerenot,
Ich dachte längst, er wäre tot.
Kurz, abgesehen vom Steuerzahlen,
Läßt sich das Glück nicht schöner malen.

Worauf denn auch der Satz beruht:
Wer einsam ist, der hat es gut.

Wilhelm Busch (1832-1908)

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
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Samstag, 19. januar 2008

"Jetzt? Jetzt kommen Sie hier in Frankfurt an mit Ihren Ostereiern? Sagen Sie mal ... "
"Ich bitte um Verzeihung, Sie meinen, es sei zu spät ... ?"

"Lieber Herr ... wie war der werte Name? Lieber Herr, was denken Sie sich eigentlich? Sollen wir vielleicht unseren Lesern kurz vor Pfingsten etwas von Ostern erzählen? Was für eine Vorstellung haben Sie vom Betriebe einer großen Zeitung? Nehmen Sie Ihre Eier wieder mit. Für uns sind Sie erledigt. Aus und vorbei, Ostereier vierzehn Tage nach Ostern! Machen Sie das immer so?"
"Ja." Der geflügelte Bote legte die bunten Eier sorgfältig auf die Schreibtischplatte des Redakteurs, schüttelte die bestaubten Flügel und schwieg. Dann sagte er: "Ich bin der Mann, der zu spät kommt. Ich komme immer zu spät."

Der Redakteur streifte die Asche seiner Zigarette in den Aschenbecher, denn es war kurz nach den Feiertagen, und die Zimmer waren schön sauber, daher tat er es. "Sie kommen – Sie kommen immer zu spät?" sagte er.
"Ich komme immer zu spät", sagte der Mann schlicht.
"Und wie wirkt sich das in Ihrem Leben aus?" fragte der Redakteur mit mitleidigem Blick.

"Das sieht so aus", sagte der Mann. "Ich bin das Ding, das immer zu spät kommt. Ich komme als Kind ziemlich abgehetzt, atemlos zur Schule, wenn sich die letzte Klassentür unerbittlich geschlossen hat – ich komme ängstlich trippelnd an, klopfe schüchtern und werde mit einem Donnerwetter begrüßt; ich komme ins medizinische Staatsexamen manchmal ein ganzes Jahr zu spät und ich habe meine Zeit verloren: ich bringe dem Polizeibeamten die Erleuchtung wegen des letzten großen Verbrechens, aber erst dann, wenn der Täter längst über den großen Teich gefahren ist und in Kanada Birnen pflanzt; ich weiß die allerbeste, die allertreffendste Antwort, die man dem frechen Patron von der Konkurrenz  zu geben hat – aber erst dann, wenn der schon weg ist; ich lasse den Lotteriezettel mit dem großen Los in das Haus der armen Frau flattern, aber sie ist schon tot, und ihre grinsenden Erben freuen sich ein Loch in den Kopf; ich bereue, was ich dem armen Mädchen angetan habe, die mir ihr Leben gegeben hat und ihre Liebe – aber sie ist schon fort, mit einem anderen verheiratet, nicht sehr gut übrigens, – zu spät, zu spät; ich entwerfe einen herrlichen Lebensplan, ich weiß genau, wie man es anfangen muß, um Zeit, Geld und Kräfte zu sparen; aber das weiß ich erst, wenn ich ein alter Mann bin, und dann nützt es mir nichts mehr – zu spät; – alle Eisenbahnzüge fahren mir vor der Nase weg; ich verpasse Revolutionen und Ordenausteilungen; ich hätte damals Terrains kaufen sollen, aber ich bin zu spät gekommen; ich habe den psychologischen Augenblick nicht benützt, um Lisa zu küssen, es ist zu spät; ich habe die aktuelle Zeitschrift nicht begründet, und als noch niemand nach Mexiko fuhr, bin ich nicht hingefahren, und jetzt ist es zu spät. Überall komme ich an, wenn alles vorbei ist; ich bin der Mann, der zu spät kommt – und hier, Herr Redakteur, sind meine Ostereier."

Der Redakteur warf in jähem Entschluß seine ausgerauchte Zigarette auf den Fußboden. Er sah seinen Besucher fest an und sprach, jedes Wort betonend: "Sie – sind – ein – Schlemihl."
Der geflügelte Bote erhob sich langsam und wollte die Ostereier ergreifen, die hier offenbar nicht benötigt wurden; er machte eine ungeschickte Bewegung, sie kollerten langsam zu Boden und zerbrachen.

"Man sagt", sprach er leise, "dass der Schlemihl keinen Schatten habe. Ich habe viele Schatten – viele Menschen sind meine Schatten."
"Ostereier zu Pfingsten", grollte der Redakteur dumpf. "Wie ich Ihnen sage: Sie brauchen nicht mehr wiederzukommen – stellen Sie die Lieferung an uns ein. Ich brauche Sie nicht mehr. Guten Tag."
Der Bote stand schon an der Tür, wandte sich noch einmal halb um und wiederholte mechanisch: "Guten Tag."

"Wie war doch Ihr Name?" fragte der Redakteur. Der Bote hatte schon die Klinke in der Hand, er verharrte noch einen Augenblick und ließ seine Augen über die zerbrochenen Ostereier gehen. "Ich heiße Glück ... «" sagte er.


- Aus: "Lerne Lachen ohne zu weinen" von Kurt Tucholsky  (1928) -

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Lerne Lachen ohne zu weinen
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Samstag, 19. januar 2008
Als Kind - so um 95 rum  -
da war ich bei Tante Jenny
zur Kindergesellschaft eingeladen,
mit  Fritz und Ellen und Männi.
                                   Ja.
Und da hats Sahnenbaisers gegeben.
Jeder hat eins bekommen;
und dann wurde nochmal rumgereicht -
und ich hab keins mehr genommen!
        Das hat mich noch jahrelang geplagt...!
        Ich hätte sollen ... und hab Nein gesagt.


Da hab ich noch eine Braut zu stehn
in Neu-Globsow - die Dame hieß Kätchen;
irgendwas war da ... die hat so geguckt ...
doch ich hatte genug der Mädchen.
                                    Ja.
Und dann hatt sie mir noch mal geschrieben,
Briefe? Wie? Ist das schön?
Und dann war ich zu faul, und Neu-Globsow ist weit,
und jetzt möchte ich sie wiedersehn.
        Wie mich das in leeren Nächten plagt ...
        Ich hätte sollen ... und hab Nein gesagt.


Da stand ich vor Jahren in Moabit
vor einem Talar, den das freute;
er redete, redete, quatschte und schrie
und redet gewiß noch heute.
                                    Ja.
Und aus einem hier nicht zu erzählenden Grund
hielt ich die ganze Zeit meinen Mund.
Ich mußte. Ich habe nichts gesagt.
Aber das hat mich noch oft geplagt!
        Mit dem Jungen tret ich gern noch mal an -
        nur ein einziges Mal!
                                                aber dann - aber dann -


Ist gar nicht wahr.
                                Wenn heut Kätchen da steht,
das Baiser und der Kerl aus Moabit  -:
es ist ja leider alles zu spät!
Es ist immer das gleiche Lied:
        Wenn wir was brauchen, dann haben wirs nicht;
        und wenn wir es kriegen, dann wollen wirs nicht.
        Lieber Gott! sei doch nur einmal gescheit
        und gib uns die Dinge zu ihrer Zeit - !
                                        Amen.



                                - Kurt Tucholsky -

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Lerne Lachen ohne zu weinen Community: Gedichte
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Samstag, 19. januar 2008
Der, den ich liebe
hat  mir gesagt,
dass er mich braucht.

Darum
gebe ich auf mich acht,
sehe auf meinen Weg und
fürchte bei jedem Regentropfen,
dass er mich erschlagen könnte.


- Bertold Brecht -
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
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Mittwoch, 16. januar 2008
So flüstere der Nacht Dein Sehnen…

Erwecke goldene Küsse der Liebe,
die leis, so leis…
auf schlafendem Munde erwachen.

Sanftes Werben,
wenn Körper sich schmiegen,
Pulsierend,
Tosend,
Dann laut, so laut…
Überschäumend

um leis, so leis…
Haut an Haut
ineinander zu versinken


- Verfasser (leider) unbekannt -
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
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