Dienstag, 4. märz 2008

(aus meinen Aufzeichnungen aus 2004)

 

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Comic Gallery
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Dienstag, 26. februar 2008
 
Es wird nach einem happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.
    Man sieht bloß noch in ihre Lippen
    den Helden seinen Schnurrbart stippen -
    da hat sie nun den Schentelmen.
    Na,und denn-?


Denn jehn die beeden brav ins Bett
Naja.....diss is ja auch janz nett.
    A manchmal möchte man doch jern wissen:
    Wat tun se, wenn se sich nich kissen?
    Die könn ja doch nich immer penn.....!
    
Na, und denn-?

Denn säuselt im Kamin der Wind.
Denn kricht det junge Paar 'n Kind.
    Denn kocht se Milch. Die Milch looft üba.
    Denn macht er Krach. Denn weent sie drüba.
    Denn wolln sich beede jänzlich trenn...

    Na, und denn-?

Denn is det Kind nich uffn Damm.
Denn bleihm die beeden doch zesamm.
    Denn quäln se sich noch manche Jahre.
    Er will noch wat mit blonde Haare:
    vorn doof und hinten minorenn....
   
Na, und denn-?

Denn sind se alt.
Der Sohn haut ab.
    Der Olle macht nu ooch bald schlapp.
    Vajessen Kuß und Schnurrbartzeit -
    Ach, Menschenskind,wie liecht det weit!
    Wie der noch scharf uff Muttern war,
    det is schon beinah nich mehr wahr!
    Der olle Mann denkt so zurück:
    wat hat er nu von seinen Jlück?
    Die Ehe war zum jrößten Teile
    vabrühte Milch und Langeweile.
Und darum wird beim happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.


Kurt Tucholsky, 1931
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Lerne Lachen ohne zu weinen Community: Gedichte
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Montag, 25. februar 2008

Liebe  Lesefreunde,

mal Hand auf's Herz: Putzen ist ja wohl eine der undankbarsten Nebentätigkeiten des Alltags.

Dennoch, am vergangenen Sonntag war es bei mir mal wieder soweit. Gleich nach dem gemütlichen Frühstück packte mich der Putzwahn. Zunächst machte ich mich über den Wäschestapel her. Dann sortierte ich Unterlagen in die vorgesehenen Ordner, legte alle unnötig herumliegenden Dinge an ihren ursprünglichen Verwahrungsort: den Regenschirm, den Stadtplan, verschiedene Stifte, Zeitungen, Jacken, Taschen... eben alles, was so - nach Gebrauch - auch an anderer Stelle eine Ablagefläche fand. Danach begann ich Staub zu saugen. Herrlich -  ich ging förmlich auf in dieser Disziplin! Nachdem ich die Grundfläche bearbeitet hatte, zog ich alle gut versteckten Dinge aus dem eigens dafür definierten Stauraum. Mit einer unglaublichen Genugtuung säuberte ich nebenbei alle Ecken, die Schränke, putzte die Fenster- und Spiegelflächen; und zu guter Letzt platzierte ich alle aufgescheuchten Gegenstände entweder auf der Terrasse oder im Treppenhaus. Egal! Hauptsache war, dass sie mir nicht mehr im Wege standen. Dann war es soweit: Ich wollte "mein Werk krönen", in dem ich den Boden wischte. Hah! Schnell war der Eimer  hervorgeräumt und der Wischer gefunden; aber - oh je! - ich hatte wohl beim letzten Anfall das dafür vorgesehene Wischtuch entsorgt. Verzweifelt wühlte ich in allen Schränken - ohne Erfolg!

Beim Suchen fand sich glücklicherweise Ersatz. Ich durchfeuchtete den Lappen im bereits vorbereiteten Wasser, erfreute mich an dem "Platsch"-Geräuch, als er auf den Boden fiel und kniete mich dazu. Ja, so wie einst noch meine Uroma, kroch ich über den Boden - Meter für Meter! Mittlerweile hatte ich einiges an Boden gut gemacht und vor mir lag nicht mehr als ein Drittel des Restes, als es anfing wehzutun, wenn ich mich niederkniete. Ich fluchte wohl etwas zu laut über meine eigene Schwäche, denn meine Tochter stand plötzlich im Türrahmen und fragte sehr fürsorglich: "Was hast Du gesagt, Mama?"
Überrascht sah ich auf und ließ kraftlos den Lappen fallen. "Putzen wird nie mein Ding!", schniefte ich los. Kurz darauf platzierte ich meinen Körper auf den Fersen und fügte ironisch hinzu: "Sorry, habe nur geflucht. Wie heißt es noch: Selbstgespräche sind die Vorstufe des Wahnsinns!?" Lachend zirkelte ich das Wischtuch in den Eimer zurück. "Kannst Du mir mal bitte eine schöne Schürze und ein Kopftuch holen!? Fühle mich gerade um hunderte Jahre zurückversetzt!"... Wir gackerten beide amüsiert!  "Steht Dir bestimmt gut", konterte sie glucksend. Es folgte eine kurzweilige Putzdebatte und dann entschwand sie zurück in ihr Reich. Das letzte Stückchen war schnell geschafft und die Dinge auch wieder an ihren herkömmlichen Platz geräumt. Humor ist immernoch die beste (Putz-) Medizin!

Während ich dann nachmittags den Kaffee aufbrühte, bewunderte ich mein Werk. Die Sonne erzeugte ein behagliches Licht und belohnte so meine Tätigkeit. Stolz und zufrieden stellte ich den Kuchen auf den Tisch und gemütlich klang der Tag aus.
Als ich  später zu Bett ging, nahm ich mir - wie schon so oft - vor , dass ich diesmal sorgsamer mit meinem Ergebnis umgehen würde. Doch bereits im Moment des Vorsatzes war mir bewußt, dass es ein hoffnungsloses Unterfangen bleiben wird: wieder wird uns der Alltag einholen, wieder werden wir nur die sichtbaren Flächen fegen und wieder werde ich Menschen in meine Wohnung lassen mit den Worten: "Lass die Schuhe an, ist ja kein Museum"; wieder werden Dinge stehen und liegen bleiben und wieder werden ca. 8 Wochen vergehen, bis der nächste "Putzanfall" folgt und wieder werde ich in der Zwischenzeit denken: "Wen's stört, der soll's ändern!"

Es ist wie es ist, sagt der Alltag!

Eure Mar-S.


PS: Ich habe mir sofort auf dem Einkaufszettel vermerkt, ein neues - zum Wischer passendes - Putztuch zu kaufen. Aber das hat ja noch ein bißchen Zeit - und notfalls sind bis dahin die Knie auch wieder fit!... :o)
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Alltägliches
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Mittwoch, 20. februar 2008
Ich möchte für immer empfinden...

Mit dir geboren worden zu sein
Aus der Unendlichkeit des Seins

In eine Welt der Vergeistigung des Staubesschmetterling.gif

Mit dir gewachsen zu sein
Aus der Unschuld der kindlichen Neugierde
In die Tiefe des menschlichen Strebens

Mit dir gereift zu sein
Aus der unbändigen Kraft des Suchens
In das beglückende Gefühl der Gemeinsamkeit

Mit dir Früchte des Lebens zu ernten
Aus dem Wunsch das Leben zu beschützen
In die Sicherheit das Leben zu erhalten

Mit dir zu leben
Aus dem Gefühl einer tiefen Dankbarkeit
In die Ewigkeit um zu Staub zu werden

Für immer...  


*Verfasser leider unbekannt*
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
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Samstag, 16. februar 2008
Frohlockend schickt ein neuer Morgen
ein zartes Licht gegen des Tages Sorgen.
Noch schläft die Stadt, doch leis beginnen
die Vögel ein Wecklied im Kanon zu singen;
Und kaum das die ersten Töne vernommen,
beginnt schon das Treiben! – Der Tag hat begonnen...

Ich möchte noch gern etwas weiter träumen,
- kann ich denn wirklich was versäumen;
- in diesen engen, stickigen Räumen;
- statt mit Dir unter Bäumen auf der Wiese zu liegen,
- in den Himmel zu schauen und loszufliegen?!

Im Gras versunken, die Geborgenheit spür´n,
wenn Sonne und Wind unsre Körper berühr´n.
Fallen lassen! – Nichts um uns herum -
nur du und ich! -
und  friedliches Summen.

Kein Alltagsstress bei diesem Wetter,
endlose Ruhe im Schatten der Blätter.
Schwerelos –wie auf Händen getragen!
Gänsehaut und Kribbeln im Magen!!!
Zu schön die Zeit, ein jeder Moment,
Gefühle erleben, doch die Zeit ? - Sie rennt...

Denn auch schon einen Augenblick weiter
ertönt´s aus dem Radio: „... teils wolkig, teils heiter.“
Den Kaffee getrunken, die Sachen genommen,
hab den Morgen mit Dir so herrlich begonnen.
Ich fühle mich gut! – Jetzt kann der Tag kommen...


(Sommer '97)
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
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Donnerstag, 14. februar 2008
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Du fesselst mich mit Deinen Küssen
Du fesselst mich mit Deinen Blicken,

die mich umschnüren
mit unaussprechlichem Verlangen
und unausgesprochenen Versprechen.

Mit jeder Deiner Berührungen fesselst Du mich mehr,
als mit den Bändern um meine Handgelenke...


- In Gedenken an "mi vida" - zum Valentinstag
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
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Dienstag, 12. februar 2008
Gestern kam mir plötzlich diese Frage in den Sinn:  Ist  die Verliebtheit  soetwas wie der Copperfield-Effekt unserer Gefühle - quasi die perfekte Täuschung? Ich bin mir nicht sicher, ob ich meine Gedanken dazu in Worte gefaßt bekomme. Aber, ich will es mal versuchen...

Zunächst möchte ich voranstellen, dass ich wirklich von dem beflügelten Moment des glucksenden Bauchgefühls spreche, von dem plötzlichen Zusammentreffen zweier Menschen, die sich glücktaumelnd Geschichten erzählen, ausgefallen lachen und und und, von Menschen, die keine tiefe Verbindung zueinander pflegen. Ich denke also nicht an die LIEBE - sondern an das Gefühl davor!

Ich kam darauf, weil man ja gerne sagt, dass wir alle irgendein "Beuteschema" haben. Aha! Mag sein, im Fall von "Bobele" zum Beispiel sehen sich ja tatsächlich alle Freundinnen/Frauen sehr ähnlich :o) aber wenn ich mir meine Weggefährten mal so anschaue - hmm? Ähnlichkeiten sind da nur bedingt erkennbar... Eher im Gegenteil: ich könnte sie an anderen Dingen "bewerten". Da war der Nihilist, der Maler, der Trinker, der Herzensgute, der Schüchterne, der Prahler, der Spieler, was weiß ich... und als ich wirklich glaubte, dass es keine weitere Kategorie mehr gibt, traf ich per Liebe auf den ersten Blick - den Magier!

Ich weiß, wie verträumt unrealistisch "Liebe auf den ersten Blick" klingt. Aber es war so. Ich war auf einem Kundenevent und schüttelte pausenlos irgendwelche Händchen. Dann wehte ER vorbei und ich war wie vom Blitz getroffen. Er machte eine Kehrtwende zu unserem Tisch, Funken flogen, als sich unsere Blicke kreuzten, wir uns begrüßten; binnen des Bruchteils einer Sekunde war ich um meinen Sprachschatz beraubt, meine Knie waren weich wie Butter und in meinem Bauch strahlten 1000 Sonnen. Ich stand da wie in Wachs gegossen und konnte nichts dagegen tun. Irgendwann später übergaben wir unser Gewissen den Dämonen der Nacht und es folgten nervenzerreißende 20 Monate. Wir flogen bis zum Mond und einmal durch die ganze Galaxie; die Milchstraße war unser Highway und der Vollmond unsere Kirchturmuhr; wir verwebten unsere Blicke in Parks, Restaurants, Cafés; erlebten Unglaubliches an hunderten Orten; unsere Körper verschmolzen miteinander, unsere Seelen knüpften ein telepathisches Band... Doch alle Magie reichte nicht, um die Ängste - entwachsen aus Kratern der Vergangenheit - zu besiegen. Zu unwahrscheinlich erschien, was Tag für Tag geschah!...
Das alles ist nun schon wieder ein paar Jahre her und doch gibt es Tage, da ist es näher als alles andere. Noch immer gibt es Momente, da es mich zerreißt, wenn mich die Erinnerungen daran einholen. Eigentlich glaubt man sich weit weg von alledem, autark gegen die tausend gefühlten Momente, versteinerte, konservierte Gefühle, in den letzten Winkel des Hirns verfrachtet, folienverpackte Erinnerungen. Nichts dringt mehr aus diesen Zeiten in den Alltag ein. Doch plötzlich ist es wieder da, allgegenwärtig:  PENG! -  Vor Deinem inneren Auge spulen sich gnadenlos die alten Bilder ab. Wie im Film hörst Du sie hämisch lachen - die Erinnerungen - fühlst, wie sie dämonenhaft durch Deine Gedanken tanzen, wie sie sich darüber amüsieren, dass Du völlig überrascht um Fassung bemüht bist. Tränen fluten Deine Wangen und es gibt nichts, absolut gar nichts, was sie stoppen kann. Eine innere Fräse pflügt durch Deine Gedärme, ein tiefes Brodeln breitet sich aus der Mitte Deines Körpers aus und pulsiert bis in die allerletzte Zelle Deines Ichs. Dein Innerstes will nach außen; es zerreißt Dich: PUFF!
Eines Tages hört es auf, dass weißt Du, eines Tages ist es überstanden, aber wann ist dieser Tag? ...und mit der Zeit verblassen auch die Bilder, die "Ausbrüche" werden kürzer, die Abstände immer länger - tick, tack, tick, tack, tick, tick, tack,     tack,        tick,         tack,             tick,          tack....

Denn das Leben geht ja weiter. Anfangs konnte ich mich niemandem mehr öffnen und ich glaubte, dass nichts mehr folgen könnte, was diesem Rausch - diesem nie endenden Verlangen - in irgendeiner Weise konkurrent werden könnte, gar das es etwas gäbe, dass es zu toppen vermag. Ich zog durch die Zeit und glaubte an gar nichts mehr. VÖLLIGE LEERE!...
Mittlerweile versuche ich nicht mehr, irgendwas zu toppen. Wenn ich spüre, dass ich Nähe brauche, suche ich mir einen Gesprächspartner und das Lustige ist, dass sich mir ein Spektrum eröffnet hat, das ich nicht einmal im Ansatz erahnte - davor! Ich habe die Menschen nie nach ihren Oberflächlichkeiten ausgesucht, eine gewisse Grundchemie muss stimmen, das ist ja klar, aber wenn ich mich umschaue, kenne ich dunkelhaarige und blonde, dicke und dünne, große und kleine, attraktive und weniger attraktive Menschen, Menschen verschiedener Nationen, verschiedenen Alters, aber eins kann ich über sie alle sagen: sie sind ein Teil von mir und in bestimmten Momenten sehr wichtig. Fehlten sie, fehlte mir etwas. Aus dem Buch "Der Schnupfen" von Stanislaw Lem stammt folgendes Zitat: "Mitunter haben wir einen Bekannten, mit dem uns weder gemeinsame Interessen noch besondere Erlebnisse verbinden, mit dem wir nicht im Briefwechsel stehen, den wir selten und nur zufällig treffen, und dennoch ist es wichtig für uns, wenn auch nicht leicht zu erklären, dass es ihn gibt." Besser könnte ich es nicht beschreiben!

Aber spinne ich diesen Gedanken mal weiter, dann könnte es doch sein, dass wir eines schönen Sonnentages diesen "Bekannten" in unser Herz gelassen hätten, dass es nicht so gelaufen wäre, wie es lief und schon wären wir vielleicht glücklich vereint!? Oder wir wären wenigstens federleicht durch die Welt gezogen, hätten gelacht und gealbert, vielleicht sogar verliebte Küsse ausgetauscht. Natürlich, morgens wäre da eine nebulöse Nüchternheit gewesen und auch das schwebenede Gefühl hätte sich nach ein paar Tagen wieder gelegt. Ein paar Wochen später käme es uns vor, als hätten wir nur etwas Schönes geträumt. Und der nächste Abend käme und wieder käme Einer des Wegs und wieder würden Schmetterlinge zu tanzen beginnen...
Was aber wäre, wenn dieser Erste geblieben wäre, wenn er nicht hätte gehen müssen an diesem Morgen; Wäre dann der Zweite auch in unser Leben getreten oder wäre alles ganz anders gekommen!?

Tja, es bleibt immer eine "Was-wäre-wenn-Frage". Und weil alles von sovielen Zufällen abhängt, weil es doch wirklich so ist, das nie mehr geschehen kann, als der andere auch will und sich die Erde trotzdem weiterdreht, darum ereilte mich, während ich über diese Thematik tagträumte, die Frage nach der Illusionsfähigkeit unserer Gefühle. Wir alle brauchen Nähe, Wärme, Geborgenheit und das Gefühl, geliebt zu werden; wir wollen so gern mit jemdandem unter den Schutzmantel der Vertrautheit schlüpfen. Und in diesem Moment sind wir in der Lage, das Tor zu unserem Herzen zu öffnen. Wir leben lieber mit der Illusion als mit Niemandem!
Aber eines Tages treffen zwei Seelen aufeinander und dann verschmilzt unmerklich die Phantasie mit der Realität; dann vollzieht sich die Metamorphose von einer flatterhaften Illusion in eine tieflodernde LIEBE...
Daran will ich glauben, noch immer!


Einen schönen Tag, Eure Mar-S.


von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Alltägliches
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Samstag, 9. februar 2008
Gott schließt niemals eine Tür,
ohne eine andere zu öffnen.



Meine Tochter bereicherte dieses Sprichwort in ihrem diesjährigen Kalender für mich um den Satz: "Ich stehe im Flur; mir stehen alle Türen offen!" Ich mußte sehr schmunzeln über diese jugendliche Leichtigkeit. Aber im Grunde hat sie Recht! Wenn man nicht wenigstens in jungen Jahren nach den Sternen greift, wann dann!?
Diese Unbeschwertheit wird doch so schnell gedämmt. Unaufhörlich häufen sich die Erfahrungen, die uns lehren, Vorsicht walten zu lassen in bestimmten Momenten, bis uns diese Vorsicht soweit treibt, dass wir uns kaum mehr bewegen können; unser Blick nur noch in eine Richtung zielt. Wir verlieren fast die Orientierung und sehen nicht mehr, das das, was uns in die Nieren drückt, die Klinke der Tür ist, durch die wir nur zu gehen bräuchten, um wieder atmen zu können. Es ist  schon verrückt! Aber ja auch irgendwie menschlich... Uns jene jugendlichen Züge zu bewahren, bürgt sicherlich für ein gutes Stück Lebensqualität; sie aber bei essentiellen Entscheidungen anzuwenden, wäre naiv, größenwahnsinnig, unverantwortlich.

Es ist sowieso so eine Sache mt dem Älterwerden. Nicht das ich ernsthaft Zeit hätte, darüber nachzudenken. Aber ständig stolpere ich in Gesprächen über dieses Thema: "Ach ja, ich möchte noch mal jung sein." oder "Oh Gott, ich werde schon...!" Ich lache dann immer. Fragt man mich spontan, wie alt ich bin, beginne ich zu rechnen. Im Ernst! Es gab mal eine Situation - es war kurz nach meiner Trennung von Ramon - als ich so sehr mit der Rückgewinnung meines sowohl seelischen als auch finanziellen Gleichgewichts beschäftigt war, dass ich völlig die Gegenwart vergessen hatte. Ich funktionierte nur noch; tagein, tagaus: aufstehen, arbeiten, einkaufen, dies und das - immer beständig, wie ein Uhrwerk, ununterbrochen auf der Überholspur. Jedenfalls saß ich eines schönen Nachmittags beim Frisör. Es war ein paar Wochen vor Jahresende und so saß ich nun da und gönnte mir nach Monaten der Plackerei mal wieder das volle Verwöhnprogramm. Ich blätterte in den bunten Zeitungen und irgendwann wunderte ich mich, warum sie alle so "alt" sind. Irritiert fragte ich meine Stuhlnachbarin, in welchem Jahr wir sind. "Noch haben wir 2005!", grinste sie überrascht. Ich sah noch einmal auf das Cover und tatsächlich stand auch dort 2005. "Wirklich 2005?", fragte ich tonlos. Ich lachte laut auf, spürte wie ich rot wurde: "Das ist ja witzig! Ich hätte schwören können, wir sind schon ein Jahr weiter!" Den ganzen Nachmittag über wurde ich dieses Glücksgefühl nicht mehr los: gerade hatte ich ein Jahr geschenkt bekommen; das war so unglaublich schön - und in diesem Moment wurde mir klar, wie subjektiv das Zeitempfinden sein kann..

In dieser Woche nun fragte mich ein guter Bekannter: "Willst Du nicht nochmal 20 sein?" Wir diskutierten ein wenig hin und her und schließlich kam raus, dass es weniger um das Alter an sich ging, als um die Sehnsucht nach der Unbeschwertheit. Auftragsengpässe, Abgabendruck... - all das kann einem die Luft zum Atmen nehmen und wie ein kleines Kind, wollen wir uns umdrehen und einfach davon laufen - am Besten nach Hause zu Oma, uns auf ihren Schoß setzen, heißen Kakao trinken und den Kopf ganz tief in ihren Armen vergraben. Hmm, nur gibt es Oma nicht mehr! Und nun? Wer tätschelt uns jetzt das Köpfchen, wenn wir uns traurig, kraftlos, von aller Welt verlassen und unverstanden fühlen!? Der Familie möchte man ja auch nicht immer gleich alle Sorgen offenbaren. Wo findet man heute einen Ort, an dem man in Ruhe nachdenken kann?
Ich verstand ihn zu gut und sagte, dass es mir vor einigen Jahren ebenso ging. Ich fühlte mich in diesem Hamsterrad gefangen und immer, wenn ich hoffte den Absprung geschafft zu haben, zog mich ein unsichtbares Gummiband zurück und es schien sich alles nur noch schneller zu drehen. "Mittlerweile", sagte ich zu ihm, "habe ich mein Gleichgewicht zurück. Ich fing einfach irgendwo an, mir Luft zu verschaffen. Ich glaube, bei mir war es die Trennung. Dadurch kamen zwar zunächst noch ein paar Probleme hinzu, aber als alles Reden nichts mehr half und ich endlich den Schritt gewagt hatte, mich zu lösen, erschien Licht am Horizont. Am Anfang hatte ich fast ein schlechtes Gewissen, dass ich meine Freizeit mit scheinbar sinnlosen Dingen füllte, Dingen, die doch dem Alltag so gar  nichts nützten. Bis mir klar wurde, dass sie mir gut tun und ein Teil von mir sind. Mittlerweile ist es so, dass ich diesen Freiraum nicht mehr gedankenlos gefährde. Natürlich sehne ich mich auch danach, dass jemand sein Leben mit mir teilen möchte. Aber doch nicht um jeden Preis. Ich nutze die Vorteile, die das Singleleben bietet und ertappe mich mitunter bei der Frage, ob ich das je wieder aufgeben möchte!?"
"Klingt ja fast so, als ob Du ein glücklicher Single wärst."
"Ja, genauso ist auch! Ich darf sein, wer ich bin. Und ich sterbe weder an Einsamkeit, noch an Langerweile. Ich habe mehr Leute um mich herum, als je zuvor und das Schöne ist, ich brauche mich nicht mehr zu verbiegen. Das Treiben basiert auf einer Wellenlänge, mal mehr, mal weniger; aber das, was man zuläßt, das macht Spaß... Es ist einfach nur schön!"
"Das glaub ich Dir", sagte er noch und ich hörte, wie er tief durchatmete. Dann spürte ich, wie er sich in seinen Gedanken/ Erinnerungen verlor...

Jener Bekannte nun ist indirekt mitbeteiligt daran, dass ich meinem Blog endlich einen richigen Namen geben konnte.  Wir leben in unterschiedlichen Städten, lockere 540 km getrennt,  und deshalb sehen wir uns nicht sehr oft. Er schrieb aber nach unserem Telefonat, dass er sich sehr freuen würde, wenn wir uns hoffentlich bald mal wieder - entweder hier oder in seiner Stadt - treffen werden. (Der zumeist aussichtlose Versuch einer zeitlichen Abstimmung zweier unterschiedlicher Alltagsrhythmen.)
"Nun, wahrscheinlich laufen wir uns eher an jedem anderen Ort dieser Welt über den Weg...", antwortete ich ohne lange darüber nachzudenken. "Okay, dann eben auf dem Mars.", schrieb er zurück... Eine "Gute Idee...", wie ich fand. Letztendlich preßte er ein lustiges Kosmonautenbildchen auf eine Tasse und schickte sie mir, beschriftet mit dem Titel: Treffpunkt Mars. Als ich das Paket öffnete, mußte ich natürlich herzlich lachen. Wieder mal zeigte sich, dass es die kleinen Dinge sind, die den Tag erhellen.

Und als ich heute hier saß und mir überlegte, worüber ich schreiben möchte, da fiel mir die Tasse ein und auf einmal ergab das Wort "Mars" eine sehr interessante Bedeutung: Mar(tha) S(ommerfeld) - Mar-S! Meine Initialien anders aufgesetzt... Finde ich klasse!


Einen schönen Nachmittag und bis bald,
Eure Mar-S.







von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Alltägliches
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Montag, 4. februar 2008

undefinedIch habe geträumt,
ich wäre federleicht,
lag auf einer Wolke und
um mich herum
war eine endlose Weite...
Das herrliche Blau des Himmels umhüllte mich
mit unsagbarer Wärme.
Die Sonne berührte meine Haut,
ich spürte wie Ihre Strahlen mich streichelten.

Lautlos schwebte ich davon...
Völlige Leere im Kopf,
Chaosentzug auf liebliche Weise,
Glockenspiel der Sinne - schwerelos!

Der Welt den Rücken zugekehrt,
weit weg von allem Alltag!
Entzückendes Farbenspiel am Horizont,
Freude am Rausch der Illusion!

Wie ein Vogel sah ich auf die Welt hinab
und sie zeigte sich bezaubernd,
still und friedlich,
mit aller Kraft unterstrich sie ihre Schönheit.

Aus dieser Sicht schien es keine Sorgen zu geben,
keine, die nicht zu bewältigen wären.
Ich fühlte die Kraft in mir wachsen,
den Dingen, die auf mich warteten, genügen zu können.

Langsam sanken wir der Erde entgegen,
meine Wolke legte mich behutsam ins Gras
und flog lautlos weiter.

Als ich erwachte, war ich allein
und sah gedankenverloren zum Himmel hinauf.
Die Wolke war fort.
Doch ich trauerte nicht.
Das Erlebnis würde in seiner Einmaligkeit ewig in meiner Erinnerung bleiben.

Jedesmal nun, wenn mich meine Kraft zu verlassen scheint,
lehne ich mich zurück, schließe meine Augen
und denke an diesen Ausflug zurück;

Ich danke für diesen Traum...

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
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Sonntag, 3. februar 2008
"Was ist das für eine Welt, in der wir so miteinander umgehen, dass wir vorgeben, gleichgültig zu sein, wenn wir einen Menschen missen, den wir sehr mögen, die Traurigkeit, die wir dabei empfinden jedoch nicht zeigen, nur um der Umwelt keine Rechenschaft darüber ablegen zu müssen, warum wir dies tun, weil wir zu wissen glauben, dass es ohnehin unverstanden bleibt, und alle Fragen uns nur ständig wieder daran erinnern, wenngleich den Frager die Antwort nur oberflächlich interessiert. Wir lieben, sind traurig, wenn wir dieses Gefühl nicht ausleben können, doch scheuen uns - mit nur einer Geste - unsere Umwelt darauf aufmerksam zu machen."... (Tagebuch 1986)



Martha Sommerfeld
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Schwarze Schafe
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