Mittwoch, 2. april 2008
Viele Menschen beklagen sich,
dass sie schon wieder ein Jahr älter geworden sind.
Ich denke, nicht mehr ein Jahr älter zu werden,
wäre eine viel größere Katastrophe.


frei nach Liv Ulmann
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Unkommentierte Zitate Community: Gedichte
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Dienstag, 25. märz 2008
Die Frauen besitzen die unnachahmliche Gabe,
ihren Gefühlen Ausdruck zu geben,
ohne deutliche Worte zu gebrauchen.
Ihre Beredsamkeit liegt vor Allem im Tonfall,
in der Gabe, in der Geste, in der Haltung und den Blicken...

aus  "Anwalt der Liebenden"
von Honoré de Balzac



Ist es tatsächlich so, dass wir über unsere Erscheinung mehr überbringen, als wir glauben? Ich frage mich das, weil ich in der jüngsten Vergangenheit immer wieder mit diesem Phänomen konfrontiert wurde.

Nehme ich ein jBeispiel der Gegenwart: Eine gute Freundin von mir lebte seit einiger Zeit getrennt von ihrem Freund, zahlte regelmäßig ihre Miete und kam auch sonst allen Pflichten immer pünklich nach. Eines Tages ergab es sich, dass sie anläßlich eines Beisammenseins unter Freunden jemanden kennen lernte, der sie ansprach, weil er sie interessant fand. Schließlich tauschten sie die Telefonnummern aus und ein wenig später verabredeten sie sich. Für sie war es ein ganz normales Treffen, ein Wiedersehen, eine Verabredung an dessen Ende vielleicht etwas mehr möglich wäre. Er aber hatte für diesen Tag bereits alles geplant. Er wußte genau, was er wollte. Nur kam es nicht so. Die Ereignisse warfen ihre Schatten voraus und letztich endete es so, dass keiner bekam, was er sich erhoffte. Nur warum? Warum ist es so, dass wir niemals den Dingen einfach ihren Lauf lassen können? Warum wollen wir mehr?

Ich sage an dieser Stelle gern: Frag nicht nach dem Warum. Es gibt keine Antwort darauf. Aber das ist leicht gesagt und schwer getan, denn Tatsache ist doch, dass niemand, der sich gern wieder jemandem anschließen würde, wirklich mit der Erkenntnis umzugehen weiß, dass es scheinbar nicht geht. Aber geht es wirklich nicht oder hindern uns nur unsere Erfahrungen daran? Dann hätte doch aber die Natur sicherlich einen Mechanismus eingebaut, der genau jene Auswertung - die Auswertung der Erfahrungen - möglich machte!? Dem ist aber nicht so! Wie die Unbelehrbaren rennen wir ein ums andere Mal in unser eigenes "Verderben"; beschweren wir uns auch zuweilen darüber, das andere nicht von unserer Erfahrung aus Erlebten zehren wollen; von eben jenen Freunden spreche ich, denen wir gern die ein oder andere Enttäuschung ersparen wollte, so scheint der Mensch in Bezug auf Beziehungsklisches unbelehrbar. "Achiwo, bei der/ dem ist das anders!", "Nöö, ich gebe Dir Recht, es könne sein, aber das macht er/sie nicht"..."meinte er/sie nicht so" - die Hoffnung besiegt die Vernungt. Nicht das es schlimm wäre, aber hinterher tut es genauso weh! Was man dann nicht braucht, ist ein Standpauke - sondern jemanden, der milde lacht, wenn er uns in den Arm nimmt und sagt: "siehste, hab ich Dir doch gleich gesagt!"

Aber es kommt auch vor, dass wir doch mal einen Rat annehmen, einen, der unter solcher vorgenannten Art von Freunden ebend stattfindet - ob nun bewußt oder unbewußt, denn manchmal sagen sie ja auch nichts und tun es nur und der Moment ist stark genug, dass wir aus anderer Tun etwas für unser Handeln mithnehmen.
Lustig wird es nun, wenn wir diese "neue" Erkenntnis - egal nun, wieso sie bei uns eintraf - umsetzen. Oh welch Entsetzen auf Seiten unserer Verführer. Sofort tun sich tausende neuer Möglichkeiten auf, wie wir es hätten anders interpretieren können, tausend andere Ideen, wie wir mit unseren Erlebnissen umgehen sollten. Komisch nur, dass am Ende des großen Feuerwerks wir dann doch wieder am Anfang unserer Gedanken ankommen...

Und da wir eigentlich in Allem was wir tun, weiter nichts als nach Harmonie streben, geben wir hie und da nach, lassen wir ab von Dingen, die wir bereits erkannten und leben mit der Hoffnung, dass sich eine andere Situation ergibt, in der wir unsere Wünsche und Träume mit Leben erfüllen dürfen.


Okay, Freunde, das war heute Teil meiner Gedanken
und vielleicht denke ich morgen ja wieder ganz anders,

Ich sage nun GUTE NACHT und hoffe sehr auf Eure Toleranz gegenüber  - vielleicht? - unausgereiften Gedanken!
Martha
von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Alltägliches
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Samstag, 22. märz 2008

Kurz vor Weihnachten erhielt Meta eine Einladung für den Anfang Februar stattfindenden Firmenball. Es war eine alte Tradition von Brunner'S Mineralquell, dass sie immer im Februar eines jeden Jahres den Gründungstag ehrten. Als sie sich anmeldete, erkundigte sie sich, ob sie bereits bei der Organisation unterstützen könnte. „Ach Meta, das ist wohl nicht nötig. Carlos hat das in diesem Jahr noch alles getan. Aber ich kann ihn gern fragen und dann kann er sich ja bei Ihnen melden.“

 

Ach nee“, begrüßte er sie Carlos mit gespielter Freundlichkeit, als sie am Tag der Feierlichkeiten mit einer Freundin durch die Tür trat. „Ach ja“, äffte sie zur Antwort seinen Tonfall nach, während sie sich in die Anwesenheitsliste eintrug.Eigentlich müsstest Du heute hier stehen“, stichelte er.
Wieso ich?“, lächelte sie fragend zurück. ohne inne zuhalten.
Na weil Du jetzt für diese Aufgaben zuständig bist. Gustav erzählte, Du hättest den Vertrag unterschrieben.“
Aber der beginnt doch erst im April. So gesehen ist das Deine letzte Amtstat. Und überhaupt, Du hättest mich doch anrufen können, dann hätte ich mitgemacht.“
Sicher!“ Er zog den Kopf zurück und nickte ungläubig.
Sicher!“, antwortete Meta siegessicher, schnappte sich ihre Handtasche, hakte ihre Freundin unter und ließ ihn stehen: „Und außerdem machst du das doch gerne!“ Sie posierte kurz mit aufgesetztem Grinsen und zog dann ihre Freundin in die Richtung des Tanzsaals. Sie war wütend! - aber das wollte sie hier ganz sicher niemandem zeigen.

 

Wann immer sie sich – Carlos und Meta - an diesem Abend über den Weg liefen, konnte er es nicht lassen, sie zu necken; allerdings gehörte viel Phantasie dazu, seine Äußerungen als Spaß zu verstehen. Am Ende der Veranstaltung begegneten sie sich erneut in der Vorhalle und wieder konnte er nicht umhin, sie anzusprechen: „Na dann, gute Heimfahrt. Eigentlich müsstest Du hier bleiben, bis der letzte gegangen ist und die Abrechnung mit dem Veranstalter machen. Aber ich mach das. Gute Nacht!“
Ihre Geduld kochte über und sie platzte los: „Was, Carlos de Winter, willst Du eigentlich von mir? Hab ich Dir irgendwas getan?“
Nöh, wieso?“
Den ganzen Abend machst Du mich blöde an. Hör zu, ich kam nicht hier her spaziert und habe behauptet, Du könntest Deinen Job nicht und müsstest dringend ersetzt werden. Es war ja wohl mehr anders herum: DU wolltest nicht mehr und irgendjemand MUSS Dein Nachfolger werden. Nun sei bitte auch so fair und stehe dazu und vor allem, gib demjenigen - also nach jüngsten Entwicklungen – mir! - eine Chance. Du sagtest zum Sommer willst Du raus sein. Darum beginnt der Vertrag im Frühjahr. Wenn Du früher raus willst, musst Du mal einen Ton sagen. Ich kann doch nicht hellsehen!“
Sie sah ihn wütend an und er nestelte unsicher in den Papieren auf dem Tisch herum. „Naja“, lenkte er ein. „Dann müssen wir uns mal treffen.“
Ihre Freundin verabschiedete sich und drückte sie herzlich: „Klärt das jetzt mal. Alles andere ist doch albern. Ich fahre schon mal los. Wir hören uns morgen?
Klar, machen wir. Pass schön auf! Ok?“
Na sicher doch! Du auch!“ Carmen winkte fröhlich und entschwand durch die Tür.


Okay“, nahm Meta das Gespräch mit Carlos wieder auf, „beginnen wir mit der Einarbeitung. Ich bleibe hier und schaue mir an, was Du heute noch tust und Du erzählst mir derweil ein wenig darüber, was ich aus Deiner Sicht sonst noch wissen sollte. Ja?!“
Wie, jetzt?“, fragte er irritiert.
Ja“, blieb sie standfest. „Ich lasse mich doch nicht von Dir vorführen. Also bitte, ich höre!“ Gelassen stützte sie sich mit den Armen am Tisch ab und genoss es, dass er damit nicht gerechnet hatte. Schließlich begann er zu erzählen, dass seine Feindseligkeit im Grunde nichts mit ihr persönlich zu tun hätte, sondern viel mehr mit den Ereignissen in der Vergangenheit.Weißt Du, ich bin ja schon länger nicht nur für ihn tätig“, begann er, „aber ich habe die Aufgaben weitergeführt, damit Gustav jemand anderen finden konnte. Das macht man nicht mal so nebenbei.“
Ist mir schon klar!“, warf Meta ein.
Vor zwei Jahren dann“, fuhr Carlos fort, “traten hier plötzlich aus dem Nichts einige Personen auf und erklärten mich für unfähig und dass sie alles viel besser könnten. Gustav wollte, dass ich sofort alles übergebe, was ich nach vielem Trara auch tat. Doch noch bevor ein Jahr um war, waren alle verschwunden, hatten sich zerstritten, was weiß ich und Gustav rief mich wieder an und bat mich, ihm aus der Klemme zu helfen.“
Meta hörte ihm aufmerksam zu. Er holte tief Luft und fuhr fort: „Nunja, ich hab's natürlich gemacht, aber auch ziemlich deutlich gesagt, dass er dringend Ersatz finden müsse. Und so kamst Du ins Spiel.“
Moment“, unterbrach ihn Meta. „Eigentlich wollte das eine Anderer tun.“
Siehst'e“, sagte er.
Wie, siehst'e? Du kannst doch nicht mir die Schuld geben, dass der nun nicht erschienen ist und ich wiederum hörte es vom Buschfunk und habe einfach mal nachgefragt. Und als ich dann den Termin hatte und Du zum Gespräch gebeten wurdest, wusstest Du zwar, wer ich bin, aber Du wusstest nicht, was ich kann. Darum hast Du auch gleich behauptet, dass wir uns kennen, was ja so im Grunde nicht ganz richtig ist. Du hattest Angst, dass ich Dir Fragen stellen könnte, die Du vielleicht nicht hättest beantworten können und somit wolltest Du lieber keinen Nachfolger, als einen der es vielleicht in der gleichen Qualität liefert wie Du und Du dann wirklich nicht mehr gebraucht wirst. Dir fehlte es nicht vorrangig an Zeit, sondern an Dankbarkeit, für das was Du tatest, hab ich Recht?“
Nöh! Ich wollte einfach nichts mehr damit zu tun haben, verstehst'e?“
Sei ehrlich!“, hakte sie nach.
Carlos sah sie an. „Wie auch immer. Willst Du noch was trinken?“
Meta ließ ihn nicht aus den Augen. „Ja klar, warum nicht.“
Müsste mich sowieso mal wieder drinnen blicken lassen.“ Carlos ging um den Tisch und nacheinander betraten sie den Ballsaal. Es war mittlerweile zwei Uhr und die Verbliebenen umstellten die Bar. Carlos drückte ihr ein Glas Wein in die Hand und verschwand hinter dem Tresen. Sie blieb zurück und beobachtete das Geschehen. Es dauerte nicht lange, bis er wieder neben ihr stand und sagte: „Wir könnten jetzt gehen.“
Ich denke, wir bleiben, bis der Letzte weg ist?“
Eigentlich ja, aber ich hab das eben geklärt. Ich komme am Montag her und dann besprechen wir die Abrechnung.“
Sie nippte an ihrem Glas. „Montag kann ich nicht.“
Ich bin sowieso hier.“
Achso...“ Kopf schüttelnd bestätigte sie seine Entscheidung. „Dann ist es ja gut!“ Was hätte sie auch anderes sagen sollen. „Na dann - gehen wir! Haben ja sowieso fast den gleichen Weg.“
Sie holten die Jacken und traten hinaus auf die Straße. Kühl durchzog die winterliche Feuchtigkeit die Luft. Das Licht der Laternen schimmerte matt auf den Gehweg.
Könnten noch ins Meier's gehen oder musst Du gleich los?“, fragte er ohne sie anzusehen. Er hatte die Hände in den Hosentaschen vergraben und sein Blick verlor sich in der Kreuzung.
Ist denn da noch auf?“, gab Meta zu bedenken.
Meistens“, sagte er und setzte sich in Bewegung.


Das Meier's war ein rustikales Bistro, das nachmittags mit Kaffee und Kuchen begann und abends in einen Barbetrieb wechselte. Am Wochenende kam es durchaus vor, dass auch zu vorgerückter Stunde noch Gäste dort verweilten. Heute aber hatten sie kein Glück mehr. Der Wirt hatte bereits die Kasse geschlossen und so gingen sie weiter. Meta versteckte die Hände in ihren Ärmeln und verschränkte sie zum Wärmen vor dem Körper. Die kühle, nasse Luft kroch ihr bis unter die Haut. Ohne ein Wort zu sprechen folgten sie weiter der Straße und landeten schließlich im einzigen Pub, der die ganze Nacht geöffnet war. Meta war hier einige Male mit Robert gewesen. Doch das letzte Mal lag weit über ein halbes Jahr zurück. Am Tresen standen Leute, die sich offensichtlich öfter hier trafen und die auch Carlos gut kannten.
Na, ist die Feier schon vorbei?“, begrüßte ihn die Dame hinter der Bar.
Jaja, weißt doch, nach Mitternacht lichten sich dann schnell die Reihen.“ Meta grüßte flüchtig, hatte aber beschlossen, sich erstmal einen Überblick zu verschaffen. Carlos schob sich auf einen der Barhocker und gab die Bestellung auf. Noch ehe sie ebenfalls saß, stellte er sie seiner Gesprächspartnerin vor: „Das ist übrigens meine Nachfolgerin. Haben grad ein bisschen mit der Übergabe begonnen. Waren erst drüben im Meier's. Aber da war schon Schluss.“
Achso“, sagte die Bardame, die die Information nickend registrierte. Während sie die Gläser spülte, widmete sie Meta einen kurzen Blick und sprach dann weiter: „Von da kommen jetzt oft nachts die Leute hierher. Mir soll's recht sein.“ Sie zapfte das Bier an und nachdem sie schließlich beide mit einem Getränk versorgt hatte, stützte sie sich mit den Armen auf den Schanktisch, um mit Carlos ausgiebig die Neuigkeiten auszutauschen. Meta saß daneben und versuchte zunächst, dem Gespräch zu folgen. Doch da sie nichts beisteuern konnte, entfernten sich ihre Gedanken. 'Wann', sinnierte sie, 'habe ich eigentlich das letzte Mal wirklich irgendwo dazu gehört?' Und wie in einem Zeitraffer folgte sie der ersten Wahrnehmung und ließ Erlebnisse aus der Jugendzeit an sich vorbei ziehen.
Alles okay bei Dir?“, riss sie Carlos plötzlich aus ihren Erinnerungen.
Klar doch“, antwortete sie völlig teilnahmslos.
Oh Gott, Du musst Dich doch zu Tode langweilen“, lenkte nun die Dame hinterm Tresen ein. „Tut mir leid. Habe grad völlig die Zeit vergessen. Aber wir haben uns wirklich einige Wochen nicht gesehen.“
Du, ist kein Problem,“ erwiderte Meta, „könnte mir genauso passieren. Fand das jetzt gar nicht so tragisch.“
Soll ich euch 'nen Taxi rufen?“
Woll'n wa los?“, sicherte sich Carlos bei Meta ab.
Von mir aus...“ Meta rutschte vom Hocker und zupfte sich die Sachen zurecht.
Okay, Ini, wir hauen dann ab“, sagte er und wenig später standen sie wieder auf der Straße, nur diesmal vor Metas Haustür. Knapp sechs Wochen wohnte sie hier. Es kam ihr länger vor, viel länger. Doch es waren noch keine zwei Monate...


Mittlerweile war es fast fünf Uhr morgens und Carlos' Neugier siegte, weshalb sie sich noch immer nicht trennten. Sie stapften nebeneinander die Treppe nach oben. Er studierte wohlwollend den Ausbau ihrer Wohnung. Sie war großzügig geschnitten und fürs Erste eingerichtet. Auf dem Boden lagerten noch die letzten Umzugskartons. Meta hatte Wasser aufgesetzt und rührte damit Cappuccino an. Danach flezten sie sich – scheinbar an den Tassen festhaltend - in die Sitzsäcke und für einen Moment beherrschte die Stille den Raum. Carlos entdeckte in der Küchenecke eine Flasche Lambrusco; das Werbegeschenk eines Pizzalieferanten.
Trinkst Du sowas?“, fragte Meta überrascht.
Nöh!“
Hier auch keiner!“
Wetten das doch?!“

Und so kam es, dass sie um die Wahrhaftigkeit dieser Behauptung um einen Abend in der Altstadtbar wetteten. Meta behauptete, dass diese Flasche auch in einem Jahr unberührt dort stehen würde. „Niemals“, hatte Carlos entgegen gesetzt, das Etikett signiert und schließlich schlugen sie beide ein und stellten das Gebräu auf die Fensterbank.

 

Nun saßen sie wieder hier. Mehr als ein Jahr war seit jenem Morgen vergangen und es war, als ob sie jemand in einem Tag abgesetzt hatte, der nicht zu ihnen gehörte. Meta war noch viel zu benommen von ihrem Traum und Carlos war mehr einer Intuition gefolgt, als dass er wirklich einen Plan gehabt hätte, als er bei ihr klingelte. Sie plauderten oberflächlich über belanglose Dinge und darüber verging die Zeit. Nach zwei Stunden schob Meta Carlos durch die Tür und überließ ihn dem Tag. Das Schloss fiel in die Tür und sie rutschte an dieser hinunter. Es war schön, dass da jemand gewesen war, der mit ihr geredet und mit dem sie Kaffee getrunken hatte, aber nun war es schön, allein zu sein. Es war Sonntag und so kroch sie schnell zurück ins Bett!

 

Weitere Kapitel in "Schwarze Schafe"


von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Schwarze Schafe
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Donnerstag, 20. märz 2008

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Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag.
Man weiß nicht, was noch werden mag.
Das Blühen will nicht enden
Es blüht das fernste, tiefste, Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.




Ludwig Uhland (1787-1862)

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
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Sonntag, 16. märz 2008

Die Firma Brunner's Mineralquell war ein traditionsreiches Familienunternehmen. Seit über einem Jahrhundert wurden hier alkoholfreie Getränke hergestellt, abgefüllt und weit über die regionalen Grenzen hinaus vertrieben. Meta hatte über Freunde den Tipp bekommen, dass dort ein Nachfolger für die PR-Abteilung gesucht wurde. Kurzerhand vereinbarte sie einen Termin. Das Fabrikgelände war sehr gepflegt und weitläufig. Die Klinkersteinfassaden der Produktionshäuser stachen ihr sofort ins Auge und fast ehrfürchtig lenkte sie ihre Schritte über den Kiesweg zum Haupthaus. Sie hoffte nur, dass es nicht auffiel, dass sie nur wenig über die Geschichte des Betriebes wusste. Das quadratisch wirkende Haus erstreckte sich über drei Etagen und mochte wohl an die 30 Meter breit sein. Das Dach war von einer breiten Terrasse umzäunt, welche sicherlich erst nachträglich errichtet wurde. Meta spürte, wie die Eindrücke sie überwältigten, doch sie stand nun vor der großen, mit aufwendigen Handarbeiten verzierten Holztür und so drückte sie kurzentschlossen auf die Klingel. Hinter der Tür ertönte sofort ein tiefes Bellen, dass wenige Sekunden später eine freundliche Männerstimme wieder zum Verstummen brachte. Kurz danach öffnete sich die Tür. „Sie wünschen?“ eröffnete ein grauhaariger Mann freundlich das Gespäch. „Guten Tag, mein Name ist Meta Liebich und ich habe um 17 Uhr einen Termin mit Herrn Brunner.“
Oh ja, Frau Liebich, herzlich willkommen, treten Sie bitte ein. Mein Name ist Johann Klink und ich bin sozusagen hier das Mädchen für alles. Herr Brunner wird gleich bei Ihnen sein. Wenn Sie mir bitte folgen möchten.“

Johann Klink erinnerte Meta sofort an einen Butler aus alten Filmen. Er war von jener vornehmen Zurückhaltung, die Meta sehr schätzte. In dem Hotel, in dem sie ihre Lehre und die ersten Arbeitsjahre verbrachte, gab es auch noch einen Portier dieser Klasse. Er kannte alle wiederkehrenden Gäste und wusste genau, welche Gesten er wann anzuwenden hatte. Manchmal ergab es sich, dass Meta mit ihm gemeinsam Dienst hatte und dann genoss sie es, wenn er die Zeit fand, um in Erinnerungen zu schwelgen und über alte Zeiten plauderte. Meta mochte Herrn Klink auf den ersten Blick und wie auf Knopfdruck war ihre Aufregung verflogen. Neben ihnen trottete ein caramelfarbener Labrador, der Meta nicht aus den Augen ließ. „Hier entlang bitte“, sagte Johann Klink und zeigte mit einer Handbewegung in Richtung einer Treppe, die dem Korridor folgte. Trotz einiger historischer Möbel wirkten die Gänge belebt und überhaupt nicht altbacken. Meta war fasziniert von den frischen Farben und dem geschmackvollen Ambiente. Sie stellte sich vor, wo sie hier wohl ihren Arbeitsplatz bekäme und sofern es sich irgendwie vereinbaren ließ, hatte sie schon jetzt beschlossen, den Auftrag auf jeden Fall anzunehmen.

Sie befanden sich nun im zweiten Obergeschoss, als Herr Klink auf eine große, weiße Flügeltür zu steuerte. In der Mitte des Raumes stand ein Tisch mit sechs Stühlen. Die Sonne brach sich im Spiegel an der Wand, der quer über einer Anrichte hing und somit den frischen Blumen darauf eine besonders kräftige Farbe verlieh. „
Nun, da wären wir.“ Er deutete auf die Getränke, die auf dem Tisch standen. „Bedienen Sie sich ruhig. Herr Brunner wird jeden Moment hier sein.“ Er trat zum Fenster, um die Jalousien etwas herunter zu lassen. Meta legte in der Zwischenzeit ihre Tasche ab und blieb im Raum stehen. Der Hund tat es ihr gleich, nur das er sich setzte. Langsam schob sich die Schwanzspitze von einer Seite zur anderen. Sie wusste, dass das das Zeichen dafür war, das er sich freute und am liebsten mit ihr spielen würde.Komm Tamino“, lockte ihn Herr Klink, „wir gehen wieder runter.“ Tamino tat wie ihm befohlen und tapste zur Tür.

Wenig später saß Meta mit Gustav Brunner am Tisch und sie plauderten aufgeschlossen über dies und das. Schließlich lenkten sie fast beiläufig das Gespräch auf den eigentlichen Grund ihres Treffens. Herr Brunner machte sehr deutlich, dass er bislang mit der Qualität der Leistungen sehr zufrieden war. „Was ist passiert, dass sie dann trotzdem Ersatz für ihn suchen?“, erkundigte sich Meta etwas verwundert.
Nun, er hat mich darum gebeten“, antwortete ihr Gesprächspartner sehr gefasst.Er hat vor Jahren mal mit einem Freund eine Idee gehabt, dessen Verwirklichung diverse Genehmigungen nach sich zog. Nun sind diese gefallen und sie haben die Chance bekommen, ihre Idee in die Tat umzusetzen.“ Er stand auf und ging zum Fenster, um die Jalousien ein wenig mehr zu öffnen. „Da kann ich mich ihm doch nicht in den Weg stellen. Abgesehen davon, würde das sowieso nicht funktionieren. Nicht bei ihm.“ Meta fragte sich, ob Herr Brunner absichtlich verhinderte, einen Namen zu nennen. Sie studierte seine Gesten. „Es sind ja die letzten schönen Tage vor der grauen Jahreszeit, da sollten wir die Sonne nicht aussperren“, schweifte er ab und verharrte dann einen Augenblick in seinen Gedanken. Bevor er sich wieder setzte, schenkte er Wasser nach. Dann fuhr er fort: „Ich denke, er muss jeden Moment hier sein. Sie haben doch noch etwas Zeit?“
Ja sicher“, winkte Meta gelassen ab.
Er kann Ihnen nämlich am Besten erzählen, was er genau gemacht hat. Schade, dass wir uns nicht eher begegnet sind. Dann hätten Sie mehr Zeit gehabt und wer weiß, vielleicht wäre dann alles noch ganz anders gekommen. Ich denke, Sie werden gut mit ihm...“ Er beendete den Satz nicht, denn in diesem Augenblick öffnete sich die Tür und Carlos betrat den Raum.
Darf ich vorstellen?“ begann Gustav Brunner in höflichem Tonfall.
Nicht nötig“, raunte Carlos. „Wir kennen uns.“
Oh“, überspielte der Gastgeber nun gekonnt seine Verwunderung und bot Carlos an, Platz zu nehmen. „Willst Du auch was trinken?“ Jedoch ohne die Antwort abzuwarten, drehte er ein Glas um und füllte es ebenfalls mit Wasser.

Carlos war ein drahtiger Mann von Mitte Dreißig. Mitunter wirkte er fast ein bisschen schlacksig, aber niemals albern. Von ihm gingen eher Ruhe und Sicherheit aus. Bisweilen lag sein Fokus
nur auf seinen Interessen. Er genießt seine Freiheit und macht daraus kein Hehl! Sein Herzblut steckt er gleichermaßen in die Arbeit wie in seine Freizeit. Was er macht, dass macht er mit vollem Arrangement und vor Allem macht er ungern Kompromisse. Sein Lebensinhalt ist das Leben und so zieht er wie ein einsamer Wolf - scheinbar ziellos – durch die Zeit, ewig begleitet vom Fluch seiner Extrovertiertheit. Er glaubt nicht an die Liebe und wenn man ihn fragt warum, ist er fest davon überzeugt, dass es niemals eine Frau an seiner Seite geben wird, die ihn so liebt, wie er ist; Eine, die seine Art von Aufrichtigkeit annimmt und weiß, dass die Stunden, die er ihr schenkt, ehrlich sind und nur frei für sie. Diese Art von Leben, ja quasi seine Sucht nach Freiheit und Individualität - so hat ihn die Erfahrung gelehrt - ist nicht geeignet für feste Bindungen. Und so besteht sein sozialer Halt darin, überall und nirgends zu sein.

Meta spürte, wie sich plötzlich eine gewisse Spannung aufzubauen schien. Oder lag es nur daran, dass niemand etwas sagte. Sie empfand es etwas anmaßend, hier zu behaupten, dass sie sich kannten. Sie waren sich nach Ewigkeiten ein paar mal begegnet und hatten, wenn überhaupt, oberflächlichen Smalltalk betrieben. Ein Gefühl der Unsicherheit beschlich sie. Natürlich! Er wusste, dass sie kommen würde und auch wer sie ist. Er wollte aber vielleicht gar nicht, dass sie seine Nachfolge antrat oder besser: er wollte jemanden, den er wirklich kannte. Bisher hatte sie nicht über Konkurrenten nachgedacht. Das hatte sie noch nie getan. Entweder die Chemie stimmte und dann fanden sich auch die Wege zu einem Konsenz oder aber, es war sowieso besser, wenn der Vertrag nie geschlossen wurde. Aber heute wäre es wohl wirklich besser gewesen, etwas mehr Hintergrundinformationen zuvor einzuholen. Oh Gott! Um Ihre Unbehagen zu überspielen, trank sie einen Schluck Wasser.

Herr Brunner ergriff wieder die Initiative und brach das Schweigen, in dem er sich an Carlos wandte: „Nun, umso besser. Ich habe Frau Liebich bereits ein wenig von uns erzählt und ich möchte Dich nun bitten, den Umfang Deiner Aufgaben zu beschreiben. Über die Details können wir dann ja ein andern Mal sprechen. Heute soll es ja darum gehen, Frau Liebich einen Einblick zu vermitteln und dann gemeinsam zu sehen, ob sich daraus eine Zusammenarbeit entwickeln lässt oder nicht.“ Innerlich hoffte Meta, dass sie sich irrte, dass Carlos nur ebenso unbeholfen vor der Situation stand wie sie und sie nicht generell ablehnte. Tatsächlich erzählte er sehr ausführlich über die letzten Aktivitäten, über regelmäßige, einmalige, jährliche und die Zeit verflog. Meta hörte gespannt zu. Schließlich endete das Gespräch in einer lockeren Atmosphäre und wenige Tage später unterschrieb sie den Projektvertrag mit Beginn zum Frühjahr des kommenden Jahres.

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Schwarze Schafe
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Mittwoch, 12. märz 2008
Meta folgte gedankenverloren der Straße. Es war früh am Morgen und über den Wiesen hing ein dünner Nebelschleier. Die aufgehende Sonne färbte den Himmel glutrot. Es war einer jener Sonnenaufgänge von denen man träumt, wenn man an Urlaub denkt und die man meistens nur erlebt, wenn zum Genießen keine Ruhe bleibt. Aber heute hatte sie keine Eile. Also fuhr sie langsamer und berauschte sich an dieser zauberhaften Kulisse.

Du musst jetzt links abbiegen und dann nach der nächsten Kreuzung immer nur geradeaus fahren, bis du links das große Firmengelände siehst. Es ist nicht mehr weit.“ sprach jemand in ihren Rücken. Leicht irritiert schaute sie in den Spiegel. Obwohl sie mutterseelenallein war, verringerte sie das Tempo. Neugierig hielt sie am nächsten Parkhafen an und wälzte die Karte. Tatsächlich war dieser Weg der Kürzeste. Sie fuhr wieder an und grinste dabei verstohlen in den Rückspiegel: „Wenn ich das jemandem erzähle - die erklären mich alle für verrückt“, feixte sie, schnappte den Rhythmus aus dem Radio wieder auf und lenkte das Auto elegant über die Straßen.
Ein wenig märchenhaft wirkte der kleine Ort, den sie wenig später durchqueren musste. Morgentau blitzte auf den Dächern und die einzigen Menschen, die man so früh schon sah, waren jene, die ihre Hunde Gassi führten. Kleine Straßen trennten die Häuser, die liebevoll mit Blumenbänken geschmückt waren. Sie ließ das Fenster herunter, denn sie liebte das Geräusch, wenn Räder übers Kopfsteinpflaster rollten. Sofort strömte der typische Kleinstadtgeruch auf sie ein, den man kaum in Worte fassen kann und der doch das Flair so sehr bestimmt. Wie im Traum flog sie durch den Ort. Plötzlich riss sie ein lautes Hupen aus den Gedanken. Direkt vor ihr presste sich eine alte Dampflok durch dichten Rauch. Während Meta quietschenden Reifens den Wagen zum Stehen brachte, polterte das nostalgische Monstrum an ihr vorüber. Sie starrte wie gebannt geradeaus und fühlte ihren Herzschlag im ganzen Körper. 'Ich habe wohl vor lauter Träumerei die Warnschilder übersehen!' erschrak sie und der Schock erstarrte ihre Glieder. Als sie wieder zu sich kam, war die Lok fast am Horizont verschwunden und lautlos pufften nun die weißen Rauchwolken in die Morgenluft. Bizarr wirkte diese friedliche Szene unter Anbetracht der brenzligen Situation vor wenigen Minuten. Noch immer war ihr unerklärlich, wieso sie die Schranke nicht rechtzeitig gesehen hatte. 'Wo kam die überhaupt auf einmal her?'

Sie stieg aus und schaute sich um. Die Zeit verstrich, aber der Übergang blieb versperrt. Es kam auch kein weiterer Zug, nichts! Also griff sie abermals zur Karte. Wenig später wendete sie den Wagen und trat den Umweg an. Die Straße schlängelte sich durch die Ortschaft und führte sie schließlich einen steilen, schmalen Weg hinauf. An dessen Ende ging es nur in zwei Richtungen: Nach rechts zurück nach Hause; Also bog sie links ab. Sie kam vorbei an großen Feldern, die durch kleine Baumreihen getrennt wurden. Hin und wieder erhoben sich aufgescheuchte Vogelscharen in die Luft, um sich an der nächstbesten Stelle wieder niederzulassen. Meta atmete tief durch. Sie war sicher, dass sie wieder auf derselben Landstraße fuhr, wie vorhin, bevor sie abgebogen war. Sie spürte förmlich, wie sie sich beruhigte. Doch was war das? Plötzlich endete die Straße mit einer scharfen Linkskurve und führte sie steil hinab zurück in den Ort und direkt bis vor die Schranke. Verwundert hielt sie inne. 'War sie wirklich im Kreis gefahren? Wie konnte das sein?'
Die Zeit verrann, die Schranke blieb zu und der einzige Weg, der sie noch zum Ziel bringen konnte, war jener, den sie eben gefahren war. Dennoch, sie musste etwas übersehen haben. Meta schärfte die Sinne und wendete erneut. Jedoch fuhr sie diesmal noch langsamer, um nichts zu übersehen. „Bahnhofstraße“, las sie laut von einem Straßenschild ab und sprach mit ironischen Unterton weiter: „Super Scherz! Sackgasse ist irgendwie passender!“

Ratlos kroch sie durch den Ort, in dem mittlerweile das Leben erwachte. Autogeräusche und Wortfetzen vorbei laufender Menschen drangen an ihr Ohr. Niemand aber schien von ihr Notiz zu nehmen. 'Wie kann es sein, dass ich an einem so schönen Morgen in diesem Nest festhänge? Wo lang gehen denn die anderen Leute? Muss denn niemand außer mir über diese Schranke?' Ihr Hirn trommelte. Sie fragte Passanten und irrte dennoch endlos durch den Ort - immer und immer wieder versuchte sie, die Schranke zu umfahren. Doch wohin sie auch abbog, in welche Richtung sie auch fuhr, sie kehrte - immer und immer wieder - über diese kleine, steile Zufahrtsstraße an diesen Platz zurück und wie es schien, gab es nur noch diesen einen Weg zu ihrem Ziel; ein Weg, der genau an dieser Schranke endete. 'Aber wie ist das möglich? Was ist hier los?’ Hilflosigkeit kroch durch ihren Körper. Das Ganze erschien so unglaubwürdig und war doch so realistisch. Meta stoppte den Motor und griff zum Telefon. „Hah“, schniefte sie wütend und beförderte es kurzer Hand zurück in die Handtasche: “Natürlich - kein Netz! Warum auch...“
 

Sie fiel schlaff in den Sitz. Ihr Blick bohrte sich durch die Fensterscheibe. Trotz Allem war sie ruhig und selber überrascht ob ihrer Gelassenheit gegenüber der schier unüberwindbaren Hürde, im Gegenteil, eher stolz auf die Akribie, mit der sie nach einem Ausweg suchte. „Und da sag noch einer, ich hätte keine Geduld!“ grunzte sie vor sich hin. Ihre Blicke scannten die gesamte Umgebung. 'Es musste einen Weg geben!' Plötzlich schreckte sie hoch. Sie hatte völlig die Zeit vergessen! Als sie auf die Uhr sah, war es 06:06 Uhr. Erleichtert atmete sie durch. Da ertönte aus der Ferne wieder ein Signal. Es war leise, sehr leise und sehr weit weg: Fiiieeeeeeep Fiiieeeeeeep Fiiieeeeeeep Fiiieeeeeeep Fiiieeeeeeep Fiiieeeeeeep Fiiieeeeeeep... Konstant und eindringlich ging es so in einem Fort. Es klang fast wie eine Alarmanlage?! In der Hoffnung einen Hinweis zu entdecken, drehte sie sich um. Dabei streifte ihr Blick nochmals die Uhr. Ein Blitz schoss durch ihren Kopf: '06:06 Uhr?! - Das ist kein Alarm - das ist der Wecker!’
Benommen riss sie die Augen auf und starrte auf die Anzeige ihrer Uhr. Es war tatsächlich sechs Uhr sechs! Völlig neben sich stehend schraubte sie sich pflichtbewusst aus dem Bett und schlurfte in die Küche. In ihrem Kopf wirbelten noch die Bilder von ihrem merkwürdigen Traum. Doch augenblicklich verspürte sie kein Verlangen, weiter darüber nachzudenken. Völlig mechanisch aktivierte sie den Wasserkocher und schaute hinaus in den grauen Morgen, als es plötzlich klingelte.

Sie sah abermals auf die Uhr. Und natürlich war es noch nicht wesentlich später. Es klingelte ein zweites Mal. 'Wer konnte das sein um diese Zeit?'
Hallo?“, flüsterte sie fragend in den Hörer der Gegensprechanlage.
Carlos hier“, tönte es aus dem Lautsprecher. Wie ferngesteuert drückte sie auf den Summer. 'Carlos? Was will der denn so früh hier?’ Sie öffnete die Tür und sah zu, wie er sich die Treppen nach oben hangelte. Schließlich trat sie einen Schritt zurück, um ihn durchzulassen. Es hatte nicht den Anschein, dass er nur etwas abgeben wollte.
Morjen“, begrüßte er sie im Türrahmen, drückte ihr einen leichten Kuss auf die Wange und zog seine Jacke aus, die er dann wie selbstverständlich über einen kleinen Hocker warf.
Moin Moin“, grüßte sie zurück und grinste ihn an: „Was verschafft mir die Ehre?“
Och, ich bin im Taxi eingeschlafen.“ Er hüpfte auf einem Bein hin und her, bemüht beim Schuhe ausziehen das Gleichgewicht zu halten: „Darum hat mich der Fahrer hier vorne am Stand rausgeschmissen. Und da du auf meinem Heimweg wohnst, dachte ich, ich klingle einfach mal. Naja, und nun bin ich hier…“
Sehr schön!“, lachte sie und schüttelte den Kopf. „Es ist sechs Uhr morgens. Du hast Glück, dass ich schon wach bin. Ich bin nicht sicher, ob ich es sonst gehört hätte.“
Naja, dann hätte ich eben Pech gehabt.“
Achso...na dann!“ Meta betrachtete ihn skeptisch und ging dann zurück zur Küche. Das Wasser kochte inzwischen. „Willst du auch 'nen Kaffee?“
Nöh!“, sagte er und ließ sich in einen Stuhl am Küchentisch fallen.
Irgendwas anderes?…“
Nöh!“

Meta wohnte direkt unterm Dach. Die Wohnung war hell und geräumig und der Atelierschnitt verlieh ihr einen individuellen Charme. Küche, Wohnzimmer und Flur bildeten einen Raum. Meta stand an der Anrichte und sah dem blubbernden Wasser zu, wie es durch den Filter lief. Und Carlos saß da und schaute ihr dabei zu. Für einen kurzen Moment war es still und man hörte nur, wie der Kaffee in die Kanne plätscherte.

Ich habe übrigens unsere Wette gewonnen“, unterbrach sie das Schweigen und drehte den Kopf zur anderen Seite der Küche. Mit einem leichten Nicken zeigte sie auf eine Flasche Lambrusco, die ganz unten im Regal lag. „Hab Dir doch gesagt, dass so etwas bei uns niemand anrührt.“
Nun“, gab Carlos zu bedenken, „im Grunde habe ich gewonnen.“
Wieso das denn?“, empörte sie sich.
Jetzt nickte er mit dem Kopf leicht nach rechts, bevor er antwortete: „Naja, die Wette war, dass sie da“, er richtete seinen Finger zur exakten Angabe der festgelegten Position in Richtung Fensterbank, „ein Jahr lang unverändert stehen muss.“
"Stand sie ja“, konterte Meta. „Aber das Jahr war vor zehn Wochen um. Also hab ich sie weggeräumt.“
Siehst'e“, entgegnete daraufhin Carlos und lehnte sich zurück. Die Beine weit ausgestreckt, die Hände locker im Schoß liegend, verfolgten seine Blicke Metas Handgriffe.
Wie 'siehst'e? – ich habe gewonnen. Da gibt’s nichts zu sehen.“
Sie lachte amüsiert und setzte sich zu ihm an den Tisch. „Hättest Du halt mal eher wieder vorbei schauen müssen.“
"Du warst ja verschwunden.“
"W
as war ich?“
Na verschwunden. Niemand wusste, wo Du bist. Bis gestern Abend.“
Das glaub ich ja wohl nicht. Warum hast Du mich nicht angerufen, dann hättest Du gewusst, wo ich bin?!“
"
Hab ich ja, aber Du hast nicht geantwortet.“
Wann?“, fragte sie bestimmt.
Na als wir uns in der Bar getroffen haben, als Du da mit so 'nem Typen am Tisch gesessen hast und erst beim Losgehen gesehen hast, dass ich auch da war.“
Carlos, das war im vergangenen Sommer. Wir haben jetzt April. Und Du hast mich nicht angerufen, sondern vom Heimweg aus eine sms geschickt: 'upps' war alles, was darin stand. Sorry, aber was hätte ich Dir darauf antworten sollen?“
Keine Ahnung. Irgendwas!“
Du hast 'nen Knall!“ Mit breitem Grinsen sah sie ihn an und schüttelte fassungslos den Kopf. Sie war sich nicht sicher, ob er das ernst meinte oder nicht.

Überhaupt kannte sie ihn eigentlich nicht. Sie waren beide seit ihrer Kindheit aktive Sportler und so konnte man eher sagen, dass sie sich bei den Wettkämpfen begegnet sind. Lediglich die Zeit dieser Gemeinschaft verwebte ihre Namen, weniger jedoch gemeinsame Erlebnisse. Damals traten sie für unterschiedliche Vereine an, was sie heute wieder taten. Nur waren inzwischen fast zwanzig Jahre vergangen und der Zufall wollte es, dass Meta jetzt in dem Segelclub Mitglied war, in dem Carlos seine Jugend verbrachte. Und sie wohnten heute im gleichen Stadtteil; aber das war auch schon alles, was sie wirklich verband. Als sie ihm nach Jahren wieder über den Weg gelaufen war, wusste Meta tatsächlich nichts über ihn. Sie hatte ihn ein paar mal im Club getroffen, aber mehr als den gängigen Smalltalk hatten sie dann nicht geführt.


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von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Schwarze Schafe
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Dienstag, 11. märz 2008

Der Benedicht -
Der Benedicht,
det iss'n wirklich dumma Wicht!
War lange Zeit nie richtig fleißig,
zuweilen issa Ende Dreißig.

Und so fäng'ta mal an
tut, wat'ta kann;
doch wie'at nu kricht
- sein Jeld dafür -
dit weß'a nicht,
der Benedicht.

Nu schaut'ta links,
och schaut'ta rechts,
doch weit un breit,
da fünd'ta nüscht.
nee! - nirjendwo -
det, weß' a schon,
is wat zu hol'n.

Drum kick'ta nu uff Lena hin;
sie stets zu  lieb'n war mal sein Sinn,
doch wollt'sen nicht, den Benedicht;
passt leida nicht!

'Ach weß'te, lieba Benedicht,
bei mir? - da finst' de wirklich nüscht!'
So spricht's de Lena leicht dahin;
als er't vasucht und leise flucht.

Und wieda kickt'ta...
erst links - denn rechts,
doch wat'ta och macht,
it ändatt ja nüscht.

So jeht'ta denn los,
Lieb hin, Leid her,
zum Jeldeintreiber
- Du liebe Not -
und zieht offne Posten
für ihn - dunkelrot!

Doch ob'bat nu kricht
oda och nicht? -
Dit merkt'ta jetzt,
weß'a imma noch nich.

Denn eene wie Lena iss'it och leide
zu jeb'n, wat se hat,
wenn seine Weide
nicht det herjibt,
wat'ta sich erhofft,

un nich nur klopft
sondan gleich mit Bescheide
melken möchte - nu uff ihre Weide...
'Nee, nee, mein lieba Herr, schau hin,
inde Hühna sind wirklich keene Eia drin',
so spricht's de Lena zum Vollzieha.

und denkt:
'Dieee Viecha melk ick selba!'
und so wird set och tun,
wat soll' se och mach'n?
Schon lange is ihr nich mehr zum Lachen.
'Noch selten jehalt'n
hat'n Herr sein Versprechn!'

Und se grinst in sich rinn -
als er nu  jeht,
der nette Beamte -
mit det leere Pamphl
et;

und se denkt für eene Sekunde lang -
an Benedicht!
Denn wat er nu macht,
det weß'se nicht -
Doch wird'sen sicha übaleb'n' 
und er jeht wahscheinlich
uff pump een heb'n.

Drum lern die Moral von der Jeschicht:
- mein lieba Benedicht!? -

Lass von de Henne,
wenn'det Wissen Dir Hähne vaspricht!
oda och:
der eene kann'it, der andre nicht!



- Martha Sommerfeld -

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Gedichte Community: Gedichte
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Montag, 10. märz 2008
per mail am 10. März 2008 um 20:27 Uhr

uiui,bin ich traurig. was muß ich da lesen in meinem lieblingsblog
den ich so einmal die woche besuche.... wobei,jetzt muß ich mir das nochmal überlegen.
da schreibt meine lieblingsschiftstellerin, dass sie bald zu ihrer schulfreundin fährt und
sich so sehr darauf freut..... aber keine erwähnung findet der überaus charmante,liebenswerte
lebensbegleiter eben dieser schulfreundin. hat er das verdient? mitnichten,er muß erwähnung finden,
sonst steht er wieder vor ihr und kann vor lauter verzückung kaum atmen und wartet auf die erstbeste
gelegenheit das wahr zu machen was ihn seit monaten bewegt.
also finde einen weg ihn in die nächste geschichte einzubauen....... :-)



Lieber "Oeschi-Andi",

wie Du nun siehst, tut es mir aufrichtig leid, dass ich gestern nur erwähnte, mich auf den Besuch meiner Freundin zu freuen und nicht ihren Wegbegleiter erwähnte... Ich habe - wie versprochen - deine gesamte Mail hier nun veröffentlicht und hoffe sehr, dass Du meine Entschuldigung annimmst! :o)

Ich freue mich auf Euch!
bis ganz ganz bald,

Deine/Eure Martha


PS: .. und ürbigens, mein lieber Oeschiandi: Du solltest Du es trotzdem tun (weil es Dich seit Monaten bewegt) und endlich Deinen eigenen blog eröffnen... unabhängig von meinen Geschichten
*hihi-ein-frecher-schmunzelhase-bin* ... mar-s

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Alltägliches
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Montag, 10. märz 2008
Guten Morgen liebe Lesefreunde,

bevor ich nun gleich voller Elan in die neue Woche starte, möchte ich Euch noch schnell von meinen Plänen berichten - denn ein Kurzurlaub winkt schon ganz aufgeregt mit der schwarz-weißen Fahne und so fahre ich nach dieser  Woche  für ein paar Tage ins Schwabenländle zu meiner Schulfreundin, die mittlerweile 780km von mir entfernt lebt; puh, wie ich mich darauf freue.

In den letzten Wochen habe ich begonnen, meine vielen, zwischenmenschlichen Beobachtungen in einer Geschichte festzuhalten. Unter der Rubrik "Schwarze Schafe" finden sich in Kürze die alltäglichen Dialoge und Verhaltensweisen einer dem Alltagsstress ausgesetzten Gesellschaft; Männer, die sich immer öfter den alten Strukturen: meine Frau, mein Haus, mein Auto... widersetzen und voller Entsetzen erkennen, dass sich Frauen entweder nicht aus diesen Strukturen vertreiben lassen wollen, oder sich scheinbar wortgewandter aus den beidseitigen Fehlern zu reden wissen, geschickter sind in manipulativer Debatte mit dem Umfeld oder aber schlicht den besseren Rhythmus finden, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen: also Familie und Kinder, Job, eigene Interessen, Freunde, Figur und und und... viel besser jongliert bekommen, zumindest nach außen. Aber auch die typischen Alphatierchen als auch wahre Lebenskünstler kommen zu Wort und finden ihre Schnittstelle in dieser Handlung. Es ging mir darum, meine Erlebnisse zu bündeln und eine Darstellung dessen zu versuchen, was im Inneren der Köpfe tatsächlich ablaufen könnte, welche Werte wirkllich die Hoffnungen nähren, welches Chaos die Unsicherheiten beim anderen Geschlecht - sowohl als auch - hinterlassen können. Nun bin ich sehr gespannt, ob es mir gelingt/gelungen ist, Euch meine "Helden" nahe zu bringen...

"Gelingt" deshalb, weil ich die Geschichte interaktiv schreiben werde, also lediglich einen Anfang getan habe. Es kann also schon mal vorkommen, dass kleinere Pausen zwischen den Kapiteln entstehen, sich innerhalb der Texte Tippteufelchen einschleichen und die ein oder andere Formulierung überarbeitet wird. Dies ist aber für mich der leichtere Weg, denn ich bin viel unterwegs und nutze nun also den praktischen Umstand, dieses blog als Basis zu nutzen, meine Gedanken an einer zentralen Stelle zusammengefasst zu wissen. Egal wo ich mich aufhalte, kann ich meine Gedanken sofort verarbeiten... Es gibt doch durchaus Vorteile der digitalen Welt :o)


So, liebe Freunde, die Sonne scheint - nutzen wir die Energie!
Bis bald, Eure Mar-S.

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Alltägliches
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Samstag, 8. märz 2008
Als ich meinen Wagen einige Straßen entfernt von der Konzert-Halle parkte, ahnte ich nicht, was mich erwartet. Es war halb acht und der Abend noch jung. Kurze Zeit später traf ich meinen Begleiter - den wahren Fan des Hauptakteurs - und wir schoben uns an den Kontrolleuren vorbei und landeten direkt in der Zuschauermenge. Hier nun machte es uns die Bedienung nicht leicht, uns auf den Abend einzustimmen. Dennoch, ein mittelmäßiger Martin Kilger versuchte alles, dem Abend einen Anfang zu bereiten.

Punkt neun Uhr begann das wahre Konzert! Es brauchte zwei Lieder und der Meister des Soul holte mich aus meinem Sitz. Ja! - Ich stieg die wenigen Treppen hinunter in den Innenraum und war eingefangen vom Sound, der vom Leben erzählt. Sein Publikum dankt es ihm am Anfang aus meiner Sicht zu wenig, doch es interessiert mich kaum in diesen Momenten. Die Stimme des Meisters und die dazu auserwählten Bilder fangen mich ein; sie tragen mich über die Schwelle des Glücks in die Welt der Freizügigkeit! Seine Musik „holt mich ab“ und ich erwache erst, als 'A little bit help of my friends' nun das gesamte Publikum erreicht hat. Die Stimmung ist jetzt riesig! Paare wiegen sich in den Armen. Rien never plus!

Doch wer glaubt, alles hänge an diesem einem Lied, der irrt, denn Joe Cocker beweist wahres Geschick bei der Auswahl seiner Songs. Es ist nicht dieses eine Lied! Es ist das Ensemble aus Einzigartigkeit, das nur der präsentieren kann, der es erlebt hat – und er tut es brillant; denn ich tanze, weil ich fühle, dass ich lebe... Danke Joe! Ich hoffe, wir hören uns wieder...

 

von Martha Sommerfeld veröffentlicht in: Alltägliches
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