Wednesday, 9. january 2008 3 09 /01 /Jan. /2008 14:40

Ein Leben,
bei dem nicht gelegentlich alles auf dem Spiel steht,
ist nichts wert!


Vor ein paar Jahren stand eines Samstags meine Mutter plötzlich nachts an der Tür. Sie hatte Tränen in den Augen und wirkte in der Dunkelheit wie ein Häufchen Elend.

"Mama? Es ist gleich elf Uhr. Ist was passiert?“
Du sahst vorhin so kaputt aus“, schniefte sie, „da musste ich noch mal kommen, um zu sehen, ob es dir gut geht!“ Erleichtert, dass nichts Schlimmes geschehen war, umarmte ich sie: „Ach Mama!“, seufzte ich kopfschüttelnd, “Komm rein! Willst du was trinken?“ Sie schlurfte hinter mir her, während wir hinauf in die Küche gingen: „Ich weiß, ich bin ein komischer Mensch!“

Natürlich geht es mir gut!“, redete ich weiter, ohne darauf einzugehen. “Wir haben nur nachts nicht geschlafen, hatten einen ziemlich langen Rückflug in wirklich engen Sitzen. Wir kommen aus der Sonne und zur Begrüßung ist es hier gleich wieder so grau und so nass und so kalt. Da will man am Liebsten auf dem Hacken umdrehen und wieder zurück. Du weißt doch, wie das ist, wenn man aus dem Urlaub zurückkommt – und jetzt ist es Herbst!“

Ich setzte Wasser auf und stopfte zwei Teebeutel in die Kanne. Draußen regnete es noch immer. Ich lehnte an der Küchenplatte und sprach weiter: „Aber nun haben wir etwas geschlafen, zum Abendbrot Pellkartoffeln gegessen und so langsam aklimatisieren wir uns. Es ist alles okay, Mama, wirklich!“

Aber ich mache mir Sorgen um Dich, Kind! Wie es weitergeht mit Dir?!“
Ich nahm sie in den Arm: „Ach Mama, mach dir doch nicht immer so viele Sorgen. Mein ganzes Leben ist ein Drahtseilakt. Das war doch schon immer so. Und irgendwie hatte ich gehofft, dass ich etwas anderes sein könnte, keine Ahnung, der Pfleger der Artisten sozusagen. Aber jeden Tag sah ich dieses Seil, jeden Tag gab ich den anderen Tipps, wie sie sich darauf zu bewegen haben, ohne herunter zufallen. Aber mir fehlte etwas. Und so kletterte ich hinauf und lief darüber. Ich kann nicht mein Leben lang vor mir weglaufen. Ich bin Drahtseiltänzer und ich glaube, ein ganz Guter. Denn ich weiß, dass ich das Seil niemals aus den Augen lassen darf und ich habe gelernt, die Balance zu halten – und manchmal, da muss ich was riskieren. Wie soll ich wissen, wo meine Grenze liegt, wenn ich sie nicht gelegentlich überschreite. Verstehst du das?“

Sie sah mich liebevoll an und holte tief Luft: „Ja ja, das hast du von deinem Vater!“ Sie entspannte sich etwas und versuchte zu lachen: „Wir sind eben komische Menschen...“
Dann zauberte sie eine Schachtel Nougat-Konfekt und eine Flasche Sekt aus Ihrem Beutel und sagte, während sie mir erst die Pralinen und dann die Flasche reichte: „Hier, die sind von deinem Vater und der hier ist von mir.“
Irre! Seit ich ein Kind war, hat mein Vater mir immer Schokolade geschenkt. Es war quasi seine Tradition! – Aber eine sehr Liebenswürdige! Jeden Tag, wenn ich aus der Schule kam, lag immer eine Tafel im Kühlschrank. „Quatsch", sagte er dann verteidigend, wenn ich ihm vorwarf, dass er Schuld sei, wenn ich kugelrund werde, "
Schokolade ist Nervennahrung“... Später haben wir dieses Ritual dann bei meiner Oma gegen ein Gläschen Sekt getauscht. Meine Oma ist nun leider tot. Meine Mutter führt es fort. Völlig unvernünftig, aber trotzdem soooo wichtig!

Ich sah meine Mutter an und studierte ihre Züge und nach einer kurzen Pause brachte ich meinen Gedanken zu Ende: „Ich kann nicht hier bleiben und zusehen, wie mein Leben an mir vorbei läuft, nur weil Ramon beschlossen hat, sich zu vergraben. Ich komme nicht mehr an ihn heran, verstehst du? Er redet immer schön, wenn er Angst hat, mich zu verlieren. Aber er tut nichts, dass es anders wird. Ich kann nicht mehr, Mama.“ Ich goss den Tee auf und füllte Kandiszucker in die Tassen. „Du kannst mir glauben, dass ich nicht so leichtsinnig bin und sechs Jahre einfach an den Henker gebe. Aber weißt du, er sagt immer, dass er sich wünscht, dass wir mit siebzig zusammen auf einer Parkbank sitzen und dann gemeinsam unserer Jahre gedenken. Nur er sitzt dort bereits und hofft, dass ich ihm die nächsten dreißig Jahre das Essen bringe und diese Erlebnisse forciere. NEIN, das will ich nicht. Nicht so!“ Ich zog mich hoch auf den Küchentisch und ließ die Beine baumeln. „Ich habe wirklich alles versucht – aber lieber ein Ende mit Schrecken, als umgekehrt...“

Ich sah hinaus in die Nacht und die Erinnerungen spiegelten sich scheinbar in der Fensterscheibe. Ich hatte keine Ahnung, ob sie eine Vorstellung davon hatte, wie schwer es mir fiel, zum einen darüber zu reden und zum anderen, mir diese Niederlage einzugestehen. Denn für mich war es das. Ich war nicht in der Lage, eine dauerhafte Beziehung zu führen. Egal, wie ich es drehte: Ich hatte versagt! Aber es nutzte doch auch nichts, in Selbstmitleid zu ertrinken oder gar aus Stolz die Augen vor den Tatsachen zu verschließen. Ich musste einen Schlussstrich ziehen, um nicht selber auf der Strecke zu bleiben. „Ich will noch leben, mum!“, flüsterte ich und plötzlich kullerten die Tränen heiß über meine Wangen.


Ich hatte lange gebraucht, bis ich wusste, was meine Suche nach dem Glück von der von Ramons unterschied: Ich tat, weil ich liebte, er liebte, weil ich tat! Das konnte nicht funktionieren. Ich musste verlieren dabei und allein die Tatsache meines "Zur-Ruhe-Kommen-Wollens" war ein wesentlicher Grundstein dafür, dass es diese Zeit überdauerte. So lange ich die Risse kittete, die Warnsignale überhörte, die Dinge richtete, die er versäumte, meinen Kurs nach seinem richtete, war der Sturm nach außen nicht sichtbar. Ich spannte mich vor "unseren" Karren, fing alles ab und verfiel in Lethargie - ja quasi Kraftlosigkeit aus Hilflosigkeit - und die Jahre zogen ins Land. Es war vergleichbar mit einer Art von Trance aus Gewohnheit. Er nahm und nahm, nur vergaß er viel zu oft, den Akku wieder aufzuladen, dessen Kraft er nutzte, ignorierte es, den Dingen, an die er sich so sehr gewöhnt hatte und die ihn schützten, die nötige Aufmerksamkeit/Anerkennung zu schenken. Ich glaubte, dass ich es schaffen müsste, unsere Beziehung im Gleichgewicht zu halten. Zu oft schon hatte ich scheinbar kampflos meine Beziehungen beendet. Doch der Zustand wurde immer prikärer und alles reden half nichts.

Eines Tages also takelte ich auf und wendete mein Schiff, das vor Jahren den sicheren, ruhigen Hafen gesucht hatte. Es braucht keinen Hafen, weiß ich heute, es braucht den Halt aus Nähe! Häfen, Meere, Flüsse, Städte. Es sind nicht die Orte, die wichtig sind, es sind vielmehr das "Schiff" - auf dem - und die "Crew" - mit der - man segelt. Ich machte ordentlich Rabatz dabei und kein Hehl daraus, dass ich anheuerte, auf der Suche war nach neuen Zielen, bereit für eine neue Reise. Nur er sah nicht mehr hin. Ich hatte keinen Plan, wohin mich der Wind tragen würde, keine Idee, wonach ich wirklich suchte. Ich schöpfte Kraft aus dem Wissen, dass ich es nicht mehr länger ertragen wollte/konnte. Der Startschuss schließlich fiel an einem sonnigen Spätsommertag - damals in Hamburg - und so fasste ich Mut und segelte los...


Und noch immer ist diese Reise nicht beendet. Aber ich fühle mich sehr wohl auf "offener See". Hin und wieder laufe ich einen "Hafen" an, aber irgendwie verspüre ich dann schnell den Wunsch nach den gewohnten Weiten des Meeres und segle wieder los. Ich habe viele Eigenschaften an mir wiederentdeckt, die ich lange verkümmern ließ - aus Angst vor Ablehnung. Und so hatte mein Aufbruch wenigstens schon ein Gutes: Ich habe mich gefunden! und ich weiß nun, dass eine "Liebe" nur dann halten wird, wenn beide sich als die Personen respektieren, als die sie sich kennen gelernt haben. Denn allein durch die Zeit verändern wir uns schon genug und diese Schritte mit jemandem zugehen, dürfte genügend Herausforderungen bieten; aber sich für jemanden zu verbiegen, damit er einen akzeptiert, welche Form von Liebe sollte das sein?! 

von Martha Sommerfeld - veröffentlicht in: Episoden
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Wednesday, 9. january 2008 3 09 /01 /Jan. /2008 14:14
Bleib doch
lass mich Deine Wärme spür'n
geh nicht
will Dich noch einmal berühr'n

Lass mich noch schlafen und träumen von Dir
will nicht erwachend allein sein mit mir
waren doch gemeinsam schwach
lagen miteinander wach
wo ist unsere Sehnsucht hin
Sag doch

hab ich diese Welt zerstört
nicht genügend zugehört
oftmals nur an mich gedacht
Sag doch

glaub' mir
könnte ich die Zeit verdreh'n
weiss ich vieles wäre nicht gescheh'n
hilf mir und zeig mir die Brücke zu Dir
fall in die Tiefe ertrinke an Dir


- gesungen von Rosenstolz -
von Martha Sommerfeld - veröffentlicht in: Texte meiner Lieblingslieder
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Wednesday, 9. january 2008 3 09 /01 /Jan. /2008 01:19
Sieh! Die Raben tragen Trauer,
Regen fällt auf den Asphalt,
Lautlos zieh`n die Wolken weiter
Und die Luft ist nass und kalt.

Endlos fahr ich durch die Straßen,
Menschenleer scheint jetzt die Stadt:
Die noch mittags draußen saßen
Sind verschwunden in der Nacht.

Einsam stehe ich am Ufer,
lustlos werf` ich Stein um Stein
 - Denk an Dich,
 - Schließ meine Augen
 - und mein Herz, das möchte schrei`n!

Denk an jenen alten Mann,
den am Wegesrand ich sah.
Zu viel der Menschen,
die ihn vergaßen,
zu viel des Glücks
zu viele Schmerzen ...
Es gibt zuviel gebroch`ne Herzen. 

Sieh! Die Raben tragen Trauer!
Tummeln sich im Regenschauer
 Auf der Suche nach dem dicksten Wurm.

Ahnen nichts vom Los der Menschheit
Schattenspiel - statt Licht des Glücks.
Sind befreiter, leben heiter,
keine Ängste hinterrücks!

War zu müde, um zu denken,
müde, wie das Sonnenlicht!
Doch das die Wolken ewig halten,
glaubt ich selbst im Dunkeln nicht.

Nahtlos weicht die Nacht dem Morgen,
Regenduft umhüllt die Stadt,
Dankend seh` ich auf die Raben,
dass sich mein Herz geöffnet hat. 

Liebe muss sein Motor sein,
werfe einen letzten Stein,
kraftvoll, ohne viel Bedenken
in das Morgenrot hinein.

Wende mein Gesicht dem Licht zu,
Was da kommt? Ich weiß es nicht!
Sieh! Im dunklen Kleid der Raben,
schimmert matt das Sonnenlicht.


Martha Sommerfeld 
von Martha Sommerfeld - veröffentlicht in: Gedichte - Community: Gedichte
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Monday, 7. january 2008 1 07 /01 /Jan. /2008 11:24

Ich fühle mich hilflos, spüre die Kälte, 
doch keiner wärmt mich, friere nicht!

Ich bin traurig, spüre die Tränen, 
doch keiner tröstet mich, weine nicht!

Ich stürz in die Tiefe, ahne den Aufprall, 
doch keiner fängt mich, falle nicht!

Ich wälze mich schlaflos, find keine Ruhe, 
doch keiner hält mich, wälze mich nicht!

Ich glaub mich verlaufen, mich traf das Glück, 
keiner zeigt mir die Richtung, fürchte mich nicht!

Ich stelle mich vor Dich, durchkreuz deine Sicht, 
ich kann dich nicht halten, doch bitt' ich: Geh nicht!

von Martha Sommerfeld - veröffentlicht in: Gedichte - Community: Gedichte
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Sunday, 6. january 2008 7 06 /01 /Jan. /2008 17:32
Liebe erobert Dich in einem Moment, den Du vorher nie zuließt
Sie erreicht Dich mittels eines Wortes, das Du  vorher nie hörtest
Sie wirbt um Dich mit einer Geste, die Du vorher nie sahst

Liebe wächst nicht aus Gewohnheit
Sie entsteht nicht aus einer Laune heraus
Sie ergibt sich aus dem Besond GC-Weg-nach-El-Sao-3.JPG eren, dem Anderen...


Liebe fordert nicht, sondern gibt
Liebe zeigt Respekt
und stellt Fragen, ohne zu verletzen

Sie klopft an und bittet herein gelassen,
ohne zu drängeln oder zu poltern
Liebe flattert wie ein Drachen im Wind
und erweitert Deinen Horizont


Sie steht plötzlich vor Dir
und lächelt Dich an
Sie hüllt einen unsichtbaren Mantel um Dich
und macht Dich reich
Liebe gibt Dir Halt und Deinem Leben einen Sinn

Liebe sucht Dich und doch triffst Du sie nur durch Zufall...

von Martha Sommerfeld - veröffentlicht in: Gedichte - Community: Gedichte
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Saturday, 5. january 2008 6 05 /01 /Jan. /2008 19:23
Es war nicht so sehr, dass er log,
es war einfach keine Wahrheit da,
die es lohnte, ausgesprochen zu werden.

- Ernest Hemmingway -


Hallo  liebe Lesefreunde,

falls ihr mal einen richtigen Freak kennen lernen wollt, fragt mich! Ich bin der Garant zum Kennenlernen freakiger Menschen. Mit treffsicherer Genauigkeit kreuzen sie alle meinen Weg. Ich habe mich gefragt, ob es wohl daran liegt, dass ich sehr leidenschaftslos mit der Erkenntnis umgehe, dass ich die Ereignisse in meinem Leben nicht steuern kann. Diese scheinbare Gleichgültigkeit weckt sie alle auf. So nach dem Motto: "Das glaube ich ihr nicht. Die Nuss knacke ich!" Dann ist das mit dem Knacken so eine Sache und Schwupp-die-Wupp sind sie auch schon wieder verschwunden - die Prinzen, die Helden, die Ritter - haben ein rührendes Feuerwerk abgebrannt, ein wenig mit den Ketten gerasselt, mit den Säbeln geschwungen - Oooh, aber es rührte sich scheinbar nichts unter der Schale! Vertrauen und Zeit sind Fremdworte! Was zählt, ist der schnelle Erfolg. Und jeder pflegt eine andere Eigenart. Ich meine, wir haben alle unsere Macke, aber diese Herzchens kultivieren sie - das ist der Hammer: der eine leidet an Narzismus, der nächste an Kaufsucht, der andere an beispielloser Prahlerei; gemäß dem Motto: Geld macht sexy glaubt manch Grottenolm, dass sich Frau nichts sehnlicher wünscht, als von einer Nachbildung Quasi-Modos angemacht zu werden. Und der hatte wenigstens noch ein gutes Herz!
Keine Ahnung, Freunde, aber es ist nicht normal!


Vielleicht liegt es ja daran, dass Mann - von Natur aus Jäger - natürlich auch davon fasziniert ist, mal den Tieren nicht nur nachzustellen, sondern zum Beispiel einen spielenden Hasen zu jagen, einen der nicht furchtsam davon hoppelt, wenn es knallt, sondern der sich umdreht, ihm direkt vor die Flinte läuft, den Lauf zur Seite schiebt und mutig spricht: "Oh, Hallo Herr Jäger, das ist aber fein. Du hast heute Hunger auf Hasen? Du bist nicht zufällig an einem besonderen Häppchen interessiert?

"Hmm", antwortete der Jäger etwas irritiert, "was bist Du denn für ein freches Klopferchen?" Verwundert kratzte er sich am Hinterkopf und legte die Flinte erneut an, um dem Hasen vor ihm direkt einen über den Pelz zu bügeln. Vor Freude, dass der Jäger angebissen hatte, machte der kleine Hase einen gekonnten Salto durch die Luft und der Schuss verfehlte sein Ziel.
"Au fein", jubilierte es, "ich danke Dir. Es ist so langweilig hier im Wald, weißt Du? Morgens ziehen wir zur Lichtung, um dort zu grasen. Dann heißt es Rückzug in den Wald und Verdauungsschläfchen im Unterholz, den Bau putzen, die Kinder bespaßen und abends gehts noch einmal zur Lichtung. Danach wieder ab in den Bau und dann machen alle die Äuglein zu bis zum nächsten Morgen und so geht das ewig fort. Hin und wieder trifft man mal ein paar andere Waldbewohner. Aber auch deren Tage sind nicht wirklich viel aufregender. Alle schlafen, fressen und haben Angst, gefressen zu werden."
Er holte tief Luft und der Jäger traute seinen Sinnen nicht. Halluzinierte er? Das Häschen war gut gewachsen und seine Fellzeichnung war sehr liebreizend. "Hmm", antwortete er: "ich bin sehr gespannt, dann zeig mir doch mal das besondere Häppchen!"
"Oh gern", feixte das Tierchen, "ICH bin es! - Sieh mich genau an!" Es posierte amüsiert in der Abendsonne und dann sprang es mit einem hohen Satz zur Seite, stellte sich auf die Hinterläufe und sprach munter weiter: "Ich bin Deine Beute. Aber vorher mußt Du noch ein bißchen mit mir spielen, einmal, bitte, bitte, bitte!" Der Jäger überlegte einen Moment und schließlich stimmte er zu: "Na gut, wir spielen ein bißchen, aber wenn ich Dich vor die Flinte bekomme, bist Du erledigt."

"So können wir es tun, aber bedenke, wieviele Häschen kennst Du, die Dich unterhalten, während der Jagd? Wenn Du mich heute erledigst, wird es vielleicht nie wieder vorkommen und Du wirst ebenso gelangweilt wie ich es heute bin, Deinen Job verrichten. Das Spiel aber wird Dich schulen und Dir neue Wege zeigen und Du wirst immer besser werden. Immer wenn Du zum Zuge kommst, wird es Dir sein, als erlegtest Du mich und Du wirst zufrieden abends Deine Beute bepreisen. Aber wann immer Du wieder in den Wald kommst, werde ich da sein und Dich auf Deinem Weg begleiten. Wir profitieren beide davon, findest Du nicht?" Der Hase schenkte dem Jäger einen letzten offenen Blick. Dann hoppelte er ins Unterholz und rief: "Na komm schon, Du kannst es Dir doch unterwegs überlegen..."
Der Jäger streifte los und grübelte tatsächlich ununterbrochen, für welche der Optionen er sich entscheiden sollte. Es kam ihm überhaupt nicht in den Sinn, dass der Hase das Spiel längst dirigierte. Glaubte er wirklich, dass er einen so klugen und mutigen Hasen erlegte, wenn dieser es nicht wollte?!

Und so zogen sie gemeinsam durch die Wälder, viele, viele Jahre lang und noch immer glaubte der Jäger, dass er die Entscheidung getroffen hatte, das Miteinander so zu gestalten. Es war auch alles so gekommen, wie es sein kleiner Kamerad vorher gesagt hatte: er wurde ein erfolgreicher und angesehener Mann und geachtet von allen, ob seiner Observationskunst. Der Hase aber war sehr glücklich über sein kurzweiliges Dasein und so lebten sie lange und zufrieden und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...

Bitte entschuldigt, liebe Freunde, dass ich etwas abgeschweift bin. Aber ich finde trotzdem, dass es diese kleine Geschichte auf den Punkt bringt: der Jäger wird auf sanfte Art von (s)einem Vorhaben abgebracht, ohne dabei Schaden zu nehmen. Im Gegenteil, er brilliert.

Portiert man dies nun in unsere Zeit, dann ist doch die Ausgewogenheit, das "gefühlte Glück", einer Partnerschaft/Gemeinschaft ganz besonders davon abhängig, wie kurzweilig man dieses Miteinander gestaltet. Natürlich, jeder muss nach seiner Fasson glücklich werden, und es finden sich ja im allgemeinen nur die Paarungen, die auch ähnliche Interessen/Ansichten haben, aber Monotonie in Alltagsabläufen bewirkt immer Unzufriedenheit und bürgt für eine gewisse "Einsturzgefahr".

Jäger sehnen sich nach verständlichen Angeboten, aber sie wollen auch ihren Spaß, nicht immer, aber wenn sie ihn suchen und nicht dort bekommen, wo sie normalerweise suchen, dann suchen sie woanders. So kann es nun passieren, dass sie einen Hasen treffen, der auch keine Lust mehr hat, sich regelmäßig an einen neuen Jäger zu gewöhnen. Und beide sind gleichermaßen froh: der Jäger, dass er einen klugen Hasen traf und der Hase, dass er einen einsichtigen Jäger fand und dann "spielen" sie gemeinsam bis an ihr Lebensende...

Und wenn der Jäger unentschlossen ist und nicht sicher, was er will, wenn er also noch grübelt, welche Sorte Hasen er jagen will - die Schreckhaften, deren Wege er oder die Mutigen, die seinen Weg mitbestimmen - dann nimmt er zwar die Hasen so, wie sie ihm vor die Flinte kommen, aber die Zufriedenheit stellt sich nicht ein. Unsicherer fühlt er sich bei den klugen Hasen, denn er muss sich ständig auf seine Deckung konzentrieren, da ihm sonst das Häschen vor's Visier hoppelt und gelangweilt abwinkt: "Man, das ist doch ein ganz alter Trick. Gib Dir doch mal ein bißchen Mühe!"...

Tief in ihrem Innern ahnen sie - diese unentschlossenen Jäger -, dass sie die klugen und mutigen Hasen glücklicher machen würden, aber sie laufen davon, in der Hoffnung, irgendwo Ruhe zu finden, um ganz genau abwägen zu können. Und weil die Unsicherheit die Abenteuerlust überwiegt, halten sie sich in letzter Konsequenz doch lieber an die schreckhafteren Häschen. Es ist also nicht so sehr, dass sie lügen, sondern in ihrer Empfindung ist keine andere Wahrheit da... ---> siehe heutiges Zitat!

Ich werde heute mal wieder ein wenig auf die Piste hoppeln, mal sehen, was so los ist  :o)
Allen ein schönes Wochenende,


Eure Martha




von Martha Sommerfeld - veröffentlicht in: Episoden
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Friday, 4. january 2008 5 04 /01 /Jan. /2008 12:36

Ein Tag erwacht und mit ihm verschwinden
gar viele Gedanken an jene Nacht.

undefined Nein, sieh!
Der Tag noch schläft...
Fledermäuse ziehen vor meinen Augen!
Wer weiß, wozu meine Gedanken taugen?
Wahrscheinlich könnten wir jetzt glücklich liegen,
- wie so viele - uns ebenso in den Armen wiegen.

Oh wie töricht!
Die Erinnerung trügt Dich - mein  ruheloses Gegenüber:
Es war nur die Hoffnung, sie geht vorüber!

Halt, wartet!, bittet weise die Nacht.
Es folgt doch der Tag, der zum Leben erwacht!
Seht hin!
Die Hoffnung hat sehr wohl einen Sinn!

Das Leben tanzt nach einem uralten Reim,
dem Reim voller Sehnsucht: „Erinner' Dich mein!“

von Martha Sommerfeld - veröffentlicht in: Gedichte - Community: Gedichte
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Thursday, 3. january 2008 4 03 /01 /Jan. /2008 02:29
Hallo liebe Lesefreunde,

ich habe heute meine erste Community gegründet und sie beschäftigt sich mit der Thematik "Gedichte".

Ich möchte gern darüber diskutieren, was Euch Gedichte geben, warum ihr sie lest oder schreibt.
Warum Gedichte?
Was kann ein Gedicht deutlicher sagen als zum Beispiel eine ausführliche Geschichte?!

Aus meiner Sicht sind Gedichte das Tor zu unserer Seele
und wir nutzen mittels gewählter Worte das Spektrum unserer Phantasie,
um Befindlichkeiten zu beschreiben und anderen so zugänglich zu machen,
dass in deren Interpretation Variationen möglich sind, ohne den Sinn im Gesamten zu entstellen.
Sie beschäftigen sich mit Dingen, die jeden bewegen.
Das macht sie wichtig, denn manchmal fühlt man etwas, aber es fehlen die Worte,
dieses Gefühl zu beschreiben und dann findet man sich wieder in einem Gedicht...

Wie seht ihr das? Schreibt mir Eure Meinung! 
Ich freue mich nun sehr auf Eure Kommentare und natürlich - auf jede Menge schöne Stücke!

Einen schönen Tag für Euch
Eure Martha




von Martha Sommerfeld - veröffentlicht in: Alltägliches - Community: Gedichte
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Wednesday, 2. january 2008 3 02 /01 /Jan. /2008 09:09
Träumer haben vielleicht keinen Plan,
aber Realisten haben keine Visionen.


Hallo  liebe Lesefreunde,

gestern habe ich dieses 'blog' eröffnet und ich muss mich wirklich bei allen bedanken, die mir dazu geraten haben. Schon lange nicht mehr habe ich soviel in meiner Stoff-Sammlung gekramt und mich so verdammt sicher und wohl gefühlt. Aber eine Sortierung war dringend notwendig, denn sonst gibt es - zumindest für Euch - ein ziemliches Durcheinander. Und das macht ja keinen Spass...

Wie findet ihr mein Zitat? Ich fand es sehr passend - denn ja, ich zähle mich zu den Visionären. Ein großer Chemiker - sein Name ist Linus Carl Pauling und er ist 2facher Nobelpreisträger - sagte mal: "Man muss nicht nur mehr Ideen haben als andere, sondern auch die Fähigkeit besitzen, zu entscheiden, welche dieser Ideen gut sind." Demnach kann ich doch sehr froh sein, dass ich mich vor Ideen oft nicht retten kann, auch in der Lage bin, diese in Pläne zu verwandeln und gelegentlich umzusetzen - wie zum Beispiel dieses 'blog'.
Das Leben ist doch wie eine Lotterie: Kannst Du Dir nur ein Los kaufen, mußt Du hoffen, dass es keine Niete ist. Kannst Du aber aus mehreren Losen wählen, steigt mit jedem die Chance auf einen (Haupt-)Preis. Nun, liebe Freunde, ein neues Jahr liegt vor uns und wir werden sehen, was von unseren Vorsätzen und Plänen tatsächlich Realität wird. Aber keine Vorsätze und Pläne zu haben, propheziehe ein ziemlich tristes Leben und so sage ich heute schon Danke, dass vielleicht nicht alles umsetzbar ist, was ich mir ausmale, aber die Fähigkeit zu besitzen, träumen zu können, macht mich reich, bringt  jede Menge Abwechslung und prägt mein Leben, ein schönes Leben!

Mein Vorsatz für 2008 ist, dass ich mich nicht mehr von Enttäuschungen aufhalten lasse, sondern sie als etwas Klärendes sehe. Eine negative Entscheidung ist besser als keine. Denn man weiß, dass man einen neuen Weg finden muss oder gehen darf?!
Ungeklärte Situationen sind die Bremsen im Leben. Und aus Angst davor, einen Fehler zu begehen, schieben wir mitunter Entscheidungen hinaus und begehen den eigentlichen Fehler...

Also Freunde, auf gehts -  so ein Jahr ist schnell um...I

Liebe Grüße,
Eure Martha





von Martha Sommerfeld - veröffentlicht in: Alltägliches
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Tuesday, 1. january 2008 2 01 /01 /Jan. /2008 16:57
Hallo liebe Lesefreunde,

mein Name ist Martha Sommerfeld und ich blogge heute zum ersten Mal. Freunde haben mich animiert, meine Gedanken einfach mal zu veröffentlichen, denn sie sind zu Weilen begeistert von meinen Geschichten, Gedichten, Gedanken und/oder emails.

"Also gut", dachte ich heute morgen, "ein neues Jahr beginnt und Dein einziger Vorsatz besteht darin, möglichst keinen Fehler zweimal zu machen. Du bist ziemlich pleite und Dein Plüschschaf liegt häufiger neben Dir als ein Mann. Dein Job macht Spaß, aber nicht reich. Gemäß dem Motto: "Zum Leben zu wenig, zum Sterben zuviel!" schlängelst Du Dich durch die Zeit, immer von der Hoffnung getragen, dass auch Dich eines Tages das Glück in die Arme nimmt, bist zufrieden darüber, von ernsthaften Krankheiten verschont zu sein und bei Allem, was man von anderen hört, scheint die kleinste Katastrophe darin zu bestehen, nicht sonderlich liquide zu sein."

Ich kochte mir einen Kaffee, setzte mich an den Rechner und dachte: "Warum nicht, was kann denn schon passieren?". Schnell war dieses Portal gefunden und (m)ein Zugang eingerichtet. Nun gehts also los:

Herzlich Willkommen im Alltag einer Alltäglichen!

Eure Martha

von Martha Sommerfeld - veröffentlicht in: Alltägliches
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